Abschied von einem grandiosen Pferdemann
Ich brauchte ein paar Tage, bis meine Gedanken und Gefühle sich in Worte fassen ließen. Hier ein kleiner Artikel und der Link zu einem wunderschönen halbstündingen Film des NDR, der ein halbes Jahr vor seinem Tod gemacht wurde. Er war 88 Jahre und saß noch immer auf dem Pferd - meine Hochachtun lieber Hans-Heinrich und meinen Dank.
Unter Weiterlesen: Hommage an Hans-Heinrich Isenbart von Gabriele Boiselle sowie Link zur NDR Dokumenation
Als ich ihn 1985 kennen lernte, war er schon eine Legende im Reitsport und beim NDR ein wichtiger Koordinator und Sprecher. Sein unglaubliches Gedächnis, sein Fachwissen, sein Hintergrundswissen kombiniert mit seinen Erfahrungen als Sportreiter, hatten ihn schon damals zu einer Instanz im Pferdesport gemacht, die auch mal warnend den Finger hob. Er konnte seine Meinung sagen, kritisch sein, doch immer verpackte er seine Anspielungen so geschickt und diplomatisch, dass fast jeder gut damit umgehen konnte. Er war ein Gentleman und ein Mann der feinen Töne. Aufgewachsen in Hamburg, gehen seine familiären Wurzeln zurück, in eine Offiziersfamilie. Fast militärische Korrektheit und ein bestimmter Ehrenkodex durchzogen sein Leben, doch sie zeigten sich immer im Gleichgewicht mit seiner Herzlichkeit, seinem intelligenten Humor und ganz klar, seiner leidenschaftlichen Liebe zu den Pferden.
Natürlich habe ich keine Bilder von seinem Besuch in der Edition in Speyer, als wir auf unserer Büroterasse saßen und auf meine Pferde schauten. Ich war immer zu sehr hingerissen von seinen Geschichten, viele aus seiner Jugend in Hamburg oder von den vielen Pferdelegenden, die er kannte wie Halla. Den Olympia-Goldritt dieser Stute in Stockholm, mit einem verletzten Hans-Günter Winkler im Sattel, hatte er auf eine so mitreisende Art &Weise kommentiert und beschrieben, dass für viele Menschen, die damals 1956 noch kein Fernsehgerät hatten, sondern Radioempfänger, die Bilder durch seine Worte bis in ihr Herz vordrangen.
Erst als er wieder aus Speyer weggefahren war, fiel der professionellen Fotografin ein, dass wir kein Foto gemacht hatten . . . das tut mir heute sehr leid.
Als er 1989 in den Ruhestand ging, fing sein Reisen und Arbeiten für das Pferd eigentlich erst richtig an. Immer korrekt im markelosen Anzug mit goldener Krawattennadel, stand er bei Regen oder brüllender Hitze souverän vor der Kamera oder hinter dem Mikrofon. Er war niemals müde Fragen zu beantworten und wie oft habe ich den Hörer abgenommen und ihn angerufen, wenn ich mal nicht wusste, ob ich mit meiner Meinung richtig lag. Damals arbeitete ich noch als Journalistin für einige Pferdezeitschriften, bediente den St. Georg und wollte mich natürlich versichern, dass meine Recherchen oder Ergebnisse auch Hand und Fuss hatten. Ohne zu verurteilen oder zu kritisieren gab er mir immer und gerne zu allen Themen Auskunft, zeigte unglaubliche neue Blickwinkel oder Infos auf, die man sich nicht so einfach besorgen konnte. Dafür war und bin ich ihm, wenn ich so zurück blicke, sehr dankbar. Er war wahrlich mein Lehrmeister für sauberen, kritischen, motivierenden und auch emotionalen Journalismus. Alle Nuancen zu seiner Zeit, so könnte man seine Bandbreite beschreiben.
Nie werde ich seine leuchtenden und stahlblauen Augen vergessen, die mich so oft forschend und fragend angeblickt haben. Denn er war kein Mann, der sich nur selbst reden hören wollte. Er war ebenfalls ein brillianter Zuhörer und man war selbst überrascht, was er so aus einem Gespräch herauskitzeln konnte. Nicht verwunderlich, wie viele Interviews wird er wohl in seinem aktiven Journalistenleben von ca. 50 Jahren geführt haben? Und jeder der Interviewten fühlte sich geehrt mit ihm zu arbeiten.
Nach seinen Besuchen oder nach gelegentlichen zufälligen Treffen auf großen Veranstaltungen hatte ich immer das Gefühl, mich noch mehr anstrengen zu müssen, noch besser werden zu wollen. Er legte eine hohe Messlatte vor . . . die für mich bisher keiner nehmen konnte.









