Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vergessen habe zu erwähnen, dass wir seit gestern Abend nun wirklich komplett sind: Petra ist da!!! Schon am Nachmittag war sie mit dem Taxi angekommen und hatte auf uns warten müssen. Die Flieger-Verpassen-Nummer hat ganz schön Geld gekostet...
Die Position, die ich gewählt habe, ist denkbar schlecht: die Reiter kommen viel zu nah an mir vorbei, und der Hintergrund ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Gabriele hat Erfolg, denn sie erreicht zumindest, dass alle einmal reiten können. Auch Uschi! Die erste Gruppe ist nun unterwegs, die zweite soll in gut einer Stunde starten. Die Dagebliebenen vertreiben sich die Zeit mit fotografieren (neben der Straße grasen einige Stuten mit Fohlen), Bilder einlesen, Tagebuchschreiben oder sie besuchen das kleine Vulkanmuseum, das sich direkt neben dem Restaurant befindet. Der Raum ist dunkel gehalten und gefüllt mit dumpfen, dröhnenden Geräuschen, nicht laut, nur.... grollend, irgendwie. Auf jeden Fall erzeugen sie ein beklemmendes Gefühl. An den Wänden befinden sich große Bildschirme, die etwas über die Geschichte und die Zukunft der Hekla und die vulkanische Tätigkeit erzählen.
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Auf dem Boden sieht es so aus, als würde Lava fließen, und am Ende des Raumes schaut man in einen Trichter, in dem sich diese Lava im Kreis wälzt.
DIE Hekla ist übrigens der einzige weibliche Vulkan der Welt.
Das Wetter ist heute recht wechselhaft und windig, und die Hekla hat sich eine Wolkenmütze übergezogen, die sie sich im Laufe des Tages immer weiter über die Ohren zu ziehen scheint.
Ich nutze die Zeit, meinen kleinen Selphy-Drucker auszupacken, mit dem man Postkarten mit eigenen Bildern bedrucken kann. Es sind genügend Karten da, um auch welche an andere Teilnehmer abgegeben zu können. Birgit hat auch noch ein Problem mit ihrer externen Festplatte, das wir aber lösen können.
Gegen 13.30 h treffen wir uns zum Mittagessen. Gabriele hat wieder eine Kleinigkeit bestellt, die aber trotzdem 2500 is.Kr. kosten soll. Wir schütteln kurz den Kopf, aber was sollen wir machen? Als wir das kleine Buffet sehen, sind wir aber wieder versöhnt: der vermeintliche Nudelsalat entpuppt sich als sehr leckerer Nudelauflauf und der dazu gehörige Salat schmeckt auch klasse. Als Nachtisch lädt Gabriele uns zum Kaffee in den Aufenthaltsraum ein. Sie erzählt uns noch ein bisschen von Island und wir schauen Bilder von ihrem Aufenthalt im Mai.
Nach einer ca. einstündigen Pause ist ein Shooting auf der Jungpferdeweide des Hotels angekündigt. Wir sitzen noch entspannt in der Lobby beisammen, als die Tür aufgeht und der Hotelbesitzer fragt, wo wir denn bleiben. Ich hab noch Laptop, Drucker und externe Festplatte in Aktion und muss mich mächtig beeilen, den ganzen Kram wegzupacken.
Unser Gastgeber macht nicht den Eindruck, als wäre er besonders scharf darauf, sich jetzt am Nachmittag auf ein Pferd zu schwingen und uns seine Youngsters zuzutreiben. Aber er tut es doch. Da in Island der Begriff Weide mit etwas anderen Ausmaßen besetzt ist, dauert es eine Weile, bis die Tiere in Reichweite kommen. Aber dann legen wir los: sitzend, stehend, liegend – wird fotografiert bis die Speicherkarten rauchen. Als die Herde an uns vorbei gezogen ist und nicht mehr von den Reitern angetrieben wird, kommt sie zur Ruhe, die Tiere bemerken uns und werden neugierig. Was nun passiert, wisst ihr alle: sie kommen näher, vorsichtig, voller Respekt vor den komischen Menschen, die da so klein an der Erde hocken, aber doch viel zu interessiert, zu erfahren, was sich denn dort genau tut. Es werden noch einige Portraitfotos gemacht und schon beginnt die Kuschelphase. Jeder wird mal mit einer warmen Nase in den Haaren oder im Gesicht bedacht, dann wieder verlassen, um sich dem nächsten kleinen Menschen zu widmen und es beginnt die wir-fotografieren-jetzt-die-anderen-Teilnehmer-Phase.
13 pferde- und fotografiebegeisterte Mädels liegen vor den Pferden im Gras, und die Kameras klicken wie wild: das erlebt ein Hotelier auf Island auch nicht alle Tage! Und so langsam taut der Mann etwas auf, wird gesprächiger und scheint zu begreifen, dass wir nicht nur ein paar normale Touris sind, die mal kurz eben ein bisschen rumknipsen wollen.
Im Anschluß an die Youngsters soll es auf einer anderen Weide noch eine kleine Herde mit Hengst geben. Wir laufen an der Straße entlang, er folgt uns mit dem Auto, öffnet dann einen Zaun für uns und deutet in Richtung Hekla. Da sind aber keine Pferde zu sehen. Gabriele und einige andere gehen zurück zum Hotel, um das Auto und andere Dinge zu holen und wollen dann nachkommen. Wir laufen ein Stück über die Weide, an einem Stall vorbei und in Richtung eines kleinen Flusses, als wir gerade aufgeben wollen. Da entdeckt Marianne in der Ferne dann doch ein paar Isis, allerdings auf der anderen Uferseite. Obwohl wir ihn gar nicht hatten kommen sehen, erscheint am gegenüber liegenden Zaun unser Hotelier und treibt uns die Pferde zu.
Die Stuten mit den Fohlen sammeln sich auf dem Hügel, der an den Fluss anschließt, und begutachten das Geschehen auf der anderen Seite.
Dem Hengst scheint das nicht ausreichend genug, er kommt den Hügel herunter, läuft am Ufer auf und ab, säuft, und versucht wohl zu ergründen, ob die Menschen weiter kommen, als bis ans andere Ufer.

Irgendwann hat er wohl die Situation als ungefährlich eingestuft und die Stuten mit Fohlen folgen ihm. Sie alle lassen uns zwar nicht aus den Augen, nehmen aber ihre normalen „Tätigkeiten“ wieder auf: fressen, saufen, Fellpflege, Kinder hüten und: spielen! Zwei Fohlen spielen die ganze Zeit miteinander, wobei der eine ganz eindeutig der Anstifter dazu ist, und manchmal wird auch ein drittes mit einbezogen. Sie waren sensationelle Fotomodels.
Außerdem ist unser Standpunkt so genial, dass wir die nahe gelegene Hekla gut mit aufs Bild bringen können.

In der Zwischenzeit sind auch die anderen zu uns gestoßen, und wir fotografieren noch eine Weile, bis die Herde sich wieder zurückzieht.
Wir schwingen uns ins Auto, und Gabriele fährt ein gutes Stück, bis wir der Hekla schon ziemlich nah kommen, die Straße zur Piste wird und sich das Gelände allmählich verändert. Die Vegetation wird spärlicher, aber die Farben in den Aschehalden vielfältiger. Die Risse und Schluchten in den Halden sind beeindruckend schön und noch besser zu fotografieren. An einem kleinen Parkplatz halten wir an und haben Zeit die Steine und Pflanzen im Bild festzuhalten.
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Ein kleines Stück fahren wir noch, halten wieder an, widmen uns ein weiteres Mal den schönen Farben und Formen und machen noch ein paar Gruppenfotos, was manchmal gar nicht so einfach ist, wie es aussieht, weil ein wirklich starker Wind weht, der uns den Lavasand ins Gesicht bläst.
Heute wollen wir wirklich mal einen ruhigen Tag haben, fahren wieder zurück zum Hotel und essen ganz in Ruhe schon weit vor 21.00 h.
Duschen und Haarewaschen sind heute auch wieder an der Reihe, die Packung Haarspülung neigt sich bedenklich dem Ende zu und: Surprise, Surprise! Mit ein wenig Überredungskunst und Ausdauer lassen sich heute abend zum ersten Mal meine Haare wieder durchkämmen. Ich hatte mich schon mit der Schere in der Hand gesehen.....








