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Reiseberichte


Foto: S.PfanzeltEin Bericht von Sabine Pfanzelt

Bestimmt ist es für Euch interessant, die Reise aus der Perpektive eines Teilnehmers zu Sehen und einen Insiderbericht zu lesen.. Sabine ist schon so viele Male mit mir unterwegs gewesen, dass Sie mit viel Humor an die Sache herangeht. Viel Spaß bei dem folgendne Text! Gabriele Boiselle

Hallo alle zusammen,
Eine Reiseteilnehmerin hat an einem Abend auf der Hacienda auf Gabrieles Frage was ihr an dem Tag besonders gefallen habe, geantwortet: Sorry, ich muss erst einmal meine Bilder sichten um zu wissen und zu begreifen, was ich heute alles sehen konnte. Mir ist es nicht anders gegangen. Bei knapp 28.000 Bildern, die ich von Andalusien mitgebracht habe, dauerte das Sichten und Bewerten viel länger als erwartet. Doch mit dem neuen Jahr kommen auch alle guten Vorsätze wieder :wink: Und so habe ich zumindest mal einen kleinen Teil meines Reiseberichtes meinen ersten Tag fertig:

Samstag, der 14.05.2011

Morgens um 8.00 sitze ich im Flieger nach Jerez de la Frontera und kann mein Glück gar nicht fassen. Spät, fast zu spät habe ich mich für diese Reise erst angemeldet. Meine Stute soll in drei Wochen ihr erstes Fohlen zur Welt bringen, deshalb wollte ich eigentlich erst im Herbst wieder auf Reisen gehen. Aber dank einem Superteam zuhause und der sanften Überredungskunst von Gabriele sitze ich nun im Flieger der Iberia und schaue auf die Welt unter mir. Vor mir liegt ein Reiseführer über Andalusien und meine Gedanken wandern einige hundert Kilometer voraus. Andalusien im Mai, was wird uns wohl erwarten? Trockene, staubige Landschaft, kaum Gras auf den Weiden, Hitze – einfach mal abwarten denke ich während wir über Andorra auf Madrid zu fliegen . Wenn ich auf den Reisen mit Gabriele etwas gelernt habe, dann das – abwarten und es einfach so nehmen wie es kommt. Gleich zu Anfang der Reise testet dann leider ohne meine Zustimmung die Iberia meine Fähigkeiten zum Abwarten. Der Zwischenstopp in Madrid gestaltet sich zur Geduldsprobe. Mit über einer Stunde Verspätung starten wir erst auf die letzte Etappe nach Jerez de la Frontera. Aber in Spanien gehen die Uhren eben etwas anders. Diese ruhige Gelassenheit traue ich den doch als so feurig bekannten Spaniern eigentlich gar nicht zu – ein Klischee von dem ich mich auf dieser Reise trennen werde.

Als ich dann endlich mit meinem Koffer und dem Fotorucksack durch die Schleuse der Ankunftshalle trete, wartet Gabriele auf mich. Dass sie trotz meiner jetzt mehr als zweistündigen Verspätung dort noch steht, kann ich ihr gar nicht hoch genug anrechnen. „Hast Du die Kamera bereit? Die anderen fotografieren schon auf der Feria, lass uns jetzt endlich los, ich will zurück zu den Pferden“ sind ihre Worte nach unserer Umarmung. Während der Fahrt in die Innenstadt gehe in Gedanken meine Ausrüstung nochmal durch. Ja die Akkus müssten voll und die Speicherkarte leer sein. Das richtige Objektiv ist auch schon drauf – alles bereit, hoffe ich und bin einfach nur froh dabei sein zu dürfen.
Minuten später stehe ich auf dem Feriagelände und schnappte erst einmal nach Luft. Heute ist der letzte Tag der Feria del Caballo in Jerez. Prächtige Kutschen ziehen an uns vorbei in den unterschiedlichsten Anspannungen. Zwei-, Drei- Vier-, Fünf oder sogar Sechsspännig fahren stolze Spanier an uns vorbei und geben Bilder, die ich so noch nie gesehen habe. Wir erleben, wie Scharen an Reitern sich und ihre Pferde zur Schau stellen, ganz nach dem Motto: Sehen und gesehen werden. Beim täglichen „Paseo“, dem Flanieren über den Festplatz ist es Pflicht für die Caballeros sich in landestypischer Tracht zu zeigen, die Zügel in der einen, das Sherryglas in der anderen Hand – hinter sich eine Señorita mit wallendem Kleid im Damensitz. Eigentlich sollte ich die Möglichkeit nutzen mein Mittagessen in einer typischen „Caseta“, einem Festzelt auf der Feria nach zu holen, aber nichts und niemand könnte mich jetzt von der Hauptstraße wegbringen. Vor lauter Begeisterung vergesse ich sogar auf meine Kamera. Ich stehe einfach nur da und schaue. Bis Gabriele vorbei kommt und mich in den Arm zwickt. „He aufwachen – Du bist zum fotografieren hierher gekommen.“

Immer wieder zwischendurch kann ich auch die anderen Teilnehmer der Reise begrüßen. Viele von ihnen kenne ich von vorher gehenden Reisen. Besonders freue ich mich auf das Wiedersehen mit Bernhard und Claudia aus Wien. Seit Kladruby verbindet mich mit den beiden eine sehr gute Freundschaft. Als ich sie endlich in der Menge entdecke muss meine Kamera ein zweites Mal auf neue Klicks warten. Die beiden sind seit gestern hier und mir um viele Eindrücke voraus. Und bereits wesentlich abgeklärter als ich. Sie haben gegessen und getrunken und kümmern sich jetzt um mich. Claudias Wasserflasche rettet mich vorm Verdursten. Erst als sie sie mir hinhält, merke ich dass ich seit Stunden nichts mehr getrunken habe und das bei 30 Grad im Schatten. Mein Zeitgefühl hat mich irgendwann am Flughafen verlassen und ich werde es wohl auch erst dort wieder finden. Bis dahin werden Stunden zu gefühlten Minuten, solange wir nur die prächtigen Pferde um uns haben. Zu phantastisch sind die Bilder, die wir hier geboten bekommen.

Irgendwann kommt dann doch der Moment wo wir uns von der Feria trennen müssen. Gabriele, Johnny und ich müssen zurück zum Flughafen und die Reisebusse abholen, damit alle zurück auf die Hacienda können. Während der Rest der Gruppe noch weiter fotografieren kann, machen wir uns also schweren Herzens auf den Weg. Die Hacienda Buena Suerta liegt etwa dreißig Autominuten von Jerez entfernt und gehört zu Villa Martin. Auf dem Weg dorthin entdecke ich eine grüne, saftige Landschaft. So gar nicht das trockene Spanien, dass mir der Reiseführer versproc hen hatte. Ich staune nicht schlecht, als wir sogar an einer Art Sumpfgebiet vorbeifahren mit weiten Wasserflächen. Gabriele erzählt später, dass in diesem Jahr mehr Regen im Frühjahr gefallen ist als in vielen Jahren vorher zusammen.

Die Auffahrt zur Hacienda hinauf ist ein einziges Blütenmeer. Oleanderbüsche, Rosen, Hibiskus und was weiß ich noch alles für andere Pflanzen wetteifern um die schönsten Farben. So bunt hatte ich mir Andalusien nun in keinem Fall vorgestellt. Auf der Hacienda werden wir von Magda und Kenzie Dysli empfangen. Neben ihrer Gastgeberrolle sollen sie auch in den nächsten Tagen unsere Modells sein. Die letzten Ankömmlinge bekommen ihre Zimmerschlüssel ausgeteilt und nach einer kurzen Besprechung verteilen wir uns alle erst einmal für eine Siesta auf unsere Zimmer. Schließlich gilt es ja auch die ersten Speicherkarten zu sichern und die Akkus wieder auf zu laden. Unsere wohl genauso wie die der Kameras. Ich bin viel zu aufgekratzt als das ich mich jetzt hinlegen könnte, also mache ich auf um den Swimmingpool der Hacienda kennen zu lernen. Zusammen mit Gabriele genieße ich das Planschen im warmen Wasser. Später am Abend treffen wir uns alle zusammen im Ranchhaus zum Essen. Gabriele erläutert uns die Pläne für die nächsten Tage, immer unter dem Vorbehalt, dass Wetter, Pferde, Busse und Menschen mitspielen werden. Jetzt ist auch endlich Zeit sich ausgiebig mit den vielen Wiederkehrern aus anderen Reisen und Seminaren aus zu tauschen. Es wird an diesem Abend ziemlich spät bei dem einen oder anderen Glas Sherry.



15.05.2011 – Sonntag
Eigentlich der erste geplante Tag der Fotoreise. Um erst einmal richtig anzukommen werden wir heute auf der Hacienda bleiben und erst morgen in die Busse steigen um zu den Gestüten zu fahren. Also beginnt der Tag wunderbar entspannt bei einem phantastischen Frühstück im Ranchhaus. Warum schmecken Früchte eigentlich dort wo sie wachsen so unglaublich besser als bei uns? Eigentlich bin ich kein Fan von Melonen, aber hier zusammen mit diesem unglaublichen Serranoschinken – auch den hab ich noch nie so gut gefunden – hole ich mir gleich noch eine Portion. Mit uns am Tisch bzw. eigentlich darunter sitzt ein alter Kater, der hier zur Familie gehört. Auch wenn Max, Magdas Sohn und für den Hotelbetrieb zuständig es nicht gerne sieht, das eine oder andere Schinkenstück wandert zu ihm auf den Boden.

So gestärkt geht es ein Stück die Allee der Hacienda hinab zu einem Olivenhain. Dort wartet Kenzie auf uns. Im weichen Morgenlicht gelingen uns Traumbilder mit ihr und ihrem James. Die beiden zusammen zu sehen ist ein absoluter Traum. Zwischen ihnen besteht eine ganz besondere Verbindung, die du einfach spüren kannst. Und nebenbei ist Kenzie eine unglaublich tolle Reiterin. Du hast nicht das Gefühl sie sitzt nur auf dem Pferd sondern irgendwie schafft sie es mit ihm eine Einheit zu werden. Davon kannst du selber als Reiterin nur träumen. Wir wechseln in ein nahe gelegenes Feld. Gestern wurde dort extra für uns ein Streifen ausgemäht, auf dem Kenzie und die in der Zwischenzeit dazu gekommene Lea für uns auf- und abgaloppieren. Immer wieder höre ich Gabrieles Stimme zwischendurch: Denkt dran die Kamera umzustellen, reagiert auf das Auflicht, stellt um bei Gegenlicht, was habt ihr für eine ISO-Zahl, usw... Keine Spur von dem was in den Reisebedingungen eigentlich steht, dass hier jeder selber wissen muss, was er tut.

Ich bin fröhlich am mitschiessen als plötzlich meine Kamera ein sehr eigenartiges „Klock“ von sich gibt und ich in meinem Sucher nur mehr schwarz sehe. Ohne mich großartig zu sorgen, denke ich an den klassischen Error 99 den die Canons so gerne mal in unpassenden Momenten einstreuen und schalte sie erst mal aus. Akkus aus- und wiedereinbauen. Batteriegriff neu draufgeschraubt und Kamera wieder eingeschaltet. Das Display meldet alles ok, nur der Sucher ist nach wie vor schwarz. Langsam mache ich mir dann doch etwas Sorgen. Um mich herum klickt es, nur meine Kamera streikt. Ich verdrück mich an den Rand des Feldes um sie näher in Augenschein zu nehmen. Als ich das Objektiv abschraube, entdecke ich warum mein Sucher schwarz bleibt. Mein Spiegel ist aus der Arretierung gebrochen. Alles vorbei, ich hab keine zweite Kamera mit dabei. Na ja, mir fällt der Spruch ein man sieht nur mit dem Herzen wirklich gut. Dafür brauch ich doch keine Kamera. Nach dem ersten Schreck werde ich also erstaunlich ruhig. Ich mal mir aus, mal eine völlig entspannte Reise mit Gabriele zu haben. Kein Stress ob die Speicherkarte oder der Akku langt, einfach nur schauen und geniessen. Wahrscheinlich mach ich mir in dem Moment nur selber was vor, aber es kommt dann völlig anders. Zuerst entdeckt mich Bernhard und kommt zu mir. Was denn bei mir los sei - ich muss wohl doch etwas weiß um die Nase geworden sein. Ich erzähl mein Desaster. Bernhard bietet mir spontan seinen alten Reservebody an. Wenn wir zurück bei der Hacienda sind, kann ich ihn haben. Na ja, nicht meine Kamera, aber immerhin ein Lichtblick nicht ganz ohne dabei sein zu müssen. Ich geniesse erst einmal weiter wie perfekt Kenzie und Lea ohne Sattel reiten können. Irgendwann sieht mich auch Gabriele so unbeteiligt am Rand stehen. „Was ist los mit Dir, warum fotografierst Du nicht mehr mit?“ Als ich es ihr sage, drückst sie mir ihre Kamera in die Hand. Wie immer ist Gabriele mit zwei Kameras vor Ort. Eine ausgestattet mit ihrer Lieblingsfestbrennweite und die zweite mit dem klassischen 70-200 Teleobjektiv. „Fotografier mit meiner weiter, aber mach gute Bilder damit“ Bevor ich Zeit habe ihr dafür um den Hals zu fallen, ist sie schon wieder weg, die nächste Position suchend und den anderen Tipps gebend. Jetzt steh ich also da mit einer MARK III und hab den Satz im Ohr: Mach gute Bilder damit – oh, oh – von wegen kein Stress mehr auf dieser Reise.

Wir gehen wieder zurück in den Innenbereich der Hacienda. Vor einer Wand mit roten Bougainvillea machen wir noch Portraitphotos von Kenzie und James. Dann ist erst einmal eine kleine Verschnaufpause. Kenzie wird sich umziehen und uns später einen Lusitanohengst in klassischer spanischer Zäumung präsentieren. Zeit für mich Gabriele zu bitten, mir einen Schnellkurs in Handhabung ihrer Kamera zu geben. Irgendwie nimmt meine Glücksträhne an dem Tag kein Ende, denn Gabriele wird mir ihre Kamera bis zum Ende der Reise überlassen. Hätte ich noch vor ein paar Stunden meine Kamera für ihren Defekt an die Wand werfen können, danke ich ihr jetzt im stillen dafür. Anders hätte ich nie die Gelegenheit Bilder mit der besten Kamera der Welt zu machen. Kurz vor dem Mittagessen bekommen wir noch Kenzie auf dem Schimmel. Gabriele lässt sie diesmal für uns im Innenhof auf- und abreiten. Kenzie gibt jetzt für uns ein völlig anderes Modell ab. Jetzt reitet sie als spanische Senhorita im klassischen Sattel und hat ihren Schimmelhengst auf Kandare gezäumt. Auch hier bewundere ich ihren Reitstil. Auch wenn der Hengst mit der Situation plötzlich einen Haufen Fotografen vor sich zu haben, erst einmal klar kommen muss, bleibt Kenzie gelassen und dirigiert ihn dorthin, wo das beste Bild möglich ist.

Was diesen Tag so besonders machen wird, ist die Vielzahl an völlig unterschiedlichen Bildern, die wir geboten bekommen. Gerade noch Ferria-Atmosphäre jetzt plötzlich biegt Leo Holzknecht mit einem Quarterhorse um die Ecke. Leo hat die blauesten Augen, die ich jemals gesehen habe und wirkt als wäre er in Cowboystiefel auf die Welt gekommen. In Wirklichkeit stand seine Wiege in der Tschechei, aber jetzt ist er Cowboy von Beruf. Abends werden wir an der Bar drauf kommen, dass ich ihn schon in einer Shownummer bei Apassionata fotografiert habe. Leo hat eine unglaubliche Lassonummer drauf, jetzt aber zeigt er uns wie er ein Westernpferd auf seinen Job vorbereitet. Im Roundpen wirbelt er ordentlich Staub für uns auf, genau das was das Herz eines Fotografen höher schlagen lässt.

Die meisten Speicherkarten sind schon wieder voll. Jeder macht noch einen Abstecher in sein Zimmer bevor es zum Mittagessen geht, damit erst einmal die Computer zu arbeiten haben. Danach ist erst einmal Siesta angesagt. Bei der prallen Sonne macht es erst einmal keinen Sinn mehr weiter zu fotografieren. Abends sollen wir noch einmal Westernambiente präsentiert bekommen, aber jetzt bin ich erst einmal froh ein paar Stunden Pause am Pool zu haben.

Es ist später Nachmittag als wir uns alle wieder im Innenhof für die nächsten Bilder treffen. Das Thema lautet „Cowboy trifft Cowgirl“ – natürlich ganz zufällig in der freien Wildbahn. Dabei überlasst Gabriele nichts dem Zufall. Als Modells hat sie Raphael Dysli für uns überzeugen können und vormittag haben wir bereits Lea Goldberg zusammen mit Kenzie kennengelernt. Dem Shooting kommt zu Gute, dass die beiden tatsächlich ein Paar sind. Auch wenn Raphael von seiner Rolle als Modell noch nicht ganz überzeugt ist. Gabriele hat sich für unsere Bilder einen Hang etwas entfernt von der Hacienda ausgesucht. Also wandern wir alle zusammen mit den beiden erst einmal bergaufwärts. Eine gewisse Grundkondition schadet bei Gabrieles Reisen eigentlich nie. Das Shooting wird der Wahnsinn – obwohl Gabriele die beiden genau dirigiert sehen die Bilder wirklich nach einer zufälligen Begegnung aus. „Versucht immer eine Geschichte zu erzählen wenn ihr fotografiert“ O-Ton Gabriele von diesem Nachmittag. Ganz abgesehen davon, dass niemand glauben würde, dass diese Bilder mitten in Andalusien im Mai gemacht sind, so grün und blühend wie die Landschaft an diesem Hang ist.

Die Zeit rast mal wieder, als wir den Hügel heruntersteigen wartet bereits Leo mit einem Hengst auf uns im Roundpen. Die Sonne steht genau richtig um ihn frei galoppierend ins staubige Gegenlicht zu setzen. Dabei hab ich das Riesenglück richtig zu liegen, als sich das Kerlchen im Staub wälzt und genau im richtigen Moment zu mir hin schaut. Die besten Bilder bekommst dann halt doch manchmal einfach geschenkt. Dann wechseln wir zur Reitarena. Hier wartet Magda mit einem ihrer Westernpferde auf uns. Wir dürfen zusehen und selbstverständlich mitfotografieren, wie sie eine Unterrichtsstunde aufbaut. Es ist ein junges Pferd aus dem Grund klappt noch nicht alles auf Anhieb, aber es ist beeindruckend zu sehen wie Magda mit ihm die einzelnen Lektionen immer wieder übt, bis es am Ende dann doch alles klappt. Das einzige womit Magda Probleme bekommt, ist der etwas zu große Westernhut, den sie extra für uns aufgesetzt hat.

Die letzte Station des Tages sind Magda und Kenzie zusammen in einem der umliegenden Felder. Die Aufgabe diesmal lautet Scherenschnitt. Es ist schon faszinierend was die Kameras für Bilder liefern wenn man den Winkel zwischen sich, Motiv und Sonne genau trifft. Nach einigen Anläufen gelingt mir genau das Foto das Gabriele für uns geplant hat:

Der Zähler meiner Kamera sagt mir dass ich am Ende dieses Tages mehr als 4000 Bilder geschossen habe. Soviel habe ich sonst nicht mal auf einer ganzen Reise gemacht. Irgendwie dämmert mir bereits jetzt dass das Sichten und Beurteilen der Bilder diesmal etwas länger dauern wird.
Abends sitzen wir alle ziemlich platt nach den ganzen Eindrücken im Ranchhaus zusammen. Nach den ersten Gläsern Rotwein ziehen sich dann doch die meisten ziemlich schnell zurück auf ihre Zimmer. Jeder möchte seine Bilder anschauen, sichern und die Akkus überprüfen, stehen doch morgen zwei Gestüte auf unserem Tagesprogramm.



16.05.2011 – Montag

Als ich am Morgen meine Ausrüstung zusammenpacke, muss ich erst mal nachrechnen, um drauf zu kommen, dass ich erst den dritten Tag in Andalusien bin. Beim letzten Blick gestern Abend in meinen Computer waren es bereits über 6000 Bilder. Und heute soll es erst mit den Besuchen auf ein paar der berühmtesten Gestüte Spaniens losgehen. Aber wir sind so herzlich auf der Hacienda aufgenommen worden, die Gruppe an sich hat sich super zusammen gefunden, dass ich mir vorkomme als ob ich schon vierzehn Tage oder länger hier wäre.


Nach dem Frühstück (ich bin in der Zwischenzeit süchtig auf diese Melonen mit Serranoschinken) steigen wir unsere Busse. Meiner ist der rote – Johnny, Fahrer Nr. 2, hat den blauen Bus bekommen. Nachdem Gabriele mit bei Johnny im Bus ist, fährt dieser immer vor – na ja zumindest meistens – aber das ist eine Geschichte von einem späteren Tag. Die Fahrt soll uns zur Fuente de Andalucia, dem Sitz des Gestütes der Familie Escalera führen. Das Gestüt liegt mitten auf der Hochebene zwischen Sevilla und Cordoba. Dabei entdecken wir zum ersten Mal, dass man in Spanien vermutlich mit EU-Mitteln, unglaublich viele Kreisverkehre gebaut hat. Und total praktisch wenn man mal die falsche Ausfahrt erwischt hat und umdrehen muss. Ich will Euch ja nicht erzählen, wie oft wir uns dann tatsächlich auf dieser Reise verfahren haben, aber nur soviel: Ich hätte nie gedacht wie viele verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten es von Kreisverkehrsinsel es wirklich gibt ;-)
Die Stimmung im Bus ist und bleibt während all der Fahrten auch wegen solcher Kleinigkeiten immer gut. Mit an Bord habe ich lauter alte Hasen, keine oder keiner von uns ist zum ersten Mal mit Gabriele unterwegs. Claudia und Bernhard gehören wohl mit mir schon zu den Veteranen, aber auch alle anderen waren schon mehrmals auf Reisen oder Seminaren. So vergeht die Fahrtzeit beim Erinnerungen und Neuigkeiten austauschen ohne Probleme.
Als wir am Gestüt aussteigen, werden wir erst einmal von lautem Hundegebell empfangen. Gabriele erzählt, dass der Sohn der Besitzerin Manuel neben Pferden auch Windhunde züchtet. Und da biegt er auch schon um die Ecke. Das sich die beiden seit vielen Jahren kennen und mögen, kann jeder bei ihrer herzlichen Umarmung zur Begrüßung sehen.


Was wir dann zu sehen und vor allen Dingen zu fotografieren bekommen übersteigt meine Erwartungen um Längen. Aus der Vorschau zur Reise kenne ich Bilder dieser Kakteenwand, aber in Echt ist diese spezielle Weideumzäumung einfach urgewaltig. Über eine Länge von geschätzt 100 m und einer Höhe von mindestens 3 wenn nicht 4 oder 5 Metern begrenzen Kakteen diese Weide. Und auf der wird uns Manuel Escalera seine Pferde präsentieren. Als erstes bekommen wir eine Gruppe Junghengste freigelassen.

Danach jeweils einzeln einen Hengst. Der letzte war Siegerhengst seines Jahrgangs in Spanien. Als uns Manuel so nebenbei erzählt was der Hengst alles gewonnen hat, denke ich kurz drüber nach, ob du einen Züchter bei uns dazu bringen würdest, seinen gerade gekörten Bundeschampion der vierjährigen Dressurpferde frei über eine Weide galoppieren zu lassen. Ohne Hufglocken, Bandagen, Zaumzeug …. irgendwie undenkbar.

Aber Manuel Escalera will uns noch viel mehr zeigen. Er hat extra einen Teil seiner Jungstuten im Stall gelassen, damit wir sie beim Auftrieb auf die Weide fotografieren können. Zum ersten Mal auf dieser Reise eine frei galoppierende Herde. Am meisten beeindruckt mich dabei immer wieder, dass du sie meistens zuerst hören kannst, bevor sie in irgendeinem Treibgang auftauchen und auf dich zulaufen. Auch wenn ich für mein Leben gern fotografiere, in solchen Momenten beneide ich Leute die Filmaufnahmen machen können.

Nachdem die erste Herde an uns vorbeigaloppiert ist, ist noch lange nicht Schluss. Wir gehen mit Manuel Escalera über das Gestütsgelände zu den Laufställen der Zuchtstuten mit ihren Fohlen. Hier begrenzen hohe weiß getünchte Mauern die Laufställe. Zuerst von außen, dann von innen sollen wir die Stuten mit ihren Fohlen fotografieren. Manuel Escalera ist selber ein begeisterter Hobbyfotograf. Man merkt deutlich wie es ihm Spaß macht uns mit immer neuen Motiven zu überraschen. Für das Shooting hier hat er fünf oder sechs Jungstuten, die noch kein Fohlen in der Herde führen, separiert und in den Nachbarcorral gestellt. Jetzt lässt er sie durch ein Tor wieder zu ihrer Herde zurück. So entstehen ganz ohne großen Aufwand tolle Galoppbilder. Denn ansonsten zeigen sich die Damen mit ihren Fohlen sehr abgeklärt. Die große Herde lässt sich durch die Gruppe der Fotografen nicht aus der Ruhe bringen. Geschickt bilden die Mütter eine Wand hinter der sich die Fohlen vor unseren Objektiven leider super verstecken können. Aber nicht lange, denn nach ein paar Minuten lassen sich die Fohlen diese Abwechslung im Alltag nicht entgehen und wollen wissen, was das da für komische Menschen mit eigenartigen Apparaten sind und kommen immer näher an uns heran. Gabriele erklettert als erste die großen Metallraufen, in denen normalerweise das Heu für die Pferde steckt in mitten des Laufstalles. Ein paar Helfer treiben die Herde im Kreis um uns herum. Der Blick von dort oben auf die Masse an Pferden, die langsam immer mehr Staub aufwirbeln ist phantastisch.

Die Zeit fliegt mal wieder, wir sind bereits seit über drei Stunden ununterbrochen am Fotografieren. Doch noch ist nicht Schluss. Die Stuten sollen nun zusammen mit ihren Fohlen hinaus auf eine der umliegenden riesigen Weiden. Natürlich nicht ohne uns die Gelegenheit zu geben sie auf dem Weg dorthin nochmals zu fotografieren. Die Gruppe teilt sich, ein Teil bleibt in der Nähe des Laufstalles während der zweite Teil zum Weideeingang geht um von dort Bilder zu machen. Erst als alle ihre Position gefunden haben, ergeht das Kommando die Herde los zu lassen. Und dann hörst du nur mehr ein rhythmisches Klick-Klick-Klick rechts und links neben dir. Bevor wir uns verabschieden, zeigt uns Manuel Escalera noch seinen Hengststall. Dabei fällt uns auf, dass hier die Hengste einzeln zum tränken geführt werden und nicht wie in unseren Ställen eigentlich üblich Selbsttränker haben. Und über allen Stallungen prangt das Brandzeichen der Familie Escalera – eine Treppe in einem Oval. Auch etwas das so gar nicht zu unserem deutschen Zuchtsystem passt. In Spanien hat jedes Gestüt sein eigenes Brandzeichen. Zurück bei den Bussen werden erst einmal die Getränkevorräte geplündert bevor wir einpacken.

Hätte mich an der Stelle jemand nach der Uhrzeit gefragt, ich hätte geschworen es ist so zwischen 11 und 12 Uhr mittags. Tatsächlich ist es schon weit nach zwei als ich den Schlüssel umdrehe und den Bus starte. Jetzt aber knurrt den anderen und mir doch der Magen. Gut ist dabei ist, dass Gabriele diese Gegend wie ihre Westentasche kennt. Irgendeine Bodega in der Nähe unserer Locations wird sie immer auf der Reise finden, die in der wir uns mit Tapas stärken können. Diesmal aber hat sie noch einen besseren Ort zum Ausruhen und Stärken für uns parat. Die Fahrt geht nach Carmona, einer uralten Stadt hoch oben auf den Alcores, einem Höhenzug in der Zentralebene Andalusiens. Hier führt sie uns in das Hotel Parador mit einem wunderschönen Patio, in dem sogar ein kleines Schwimmbecken zum Entspannen einlädt. Nachdem wir alle uns an den tollsten Tapas meines Lebens satt gegessen haben, steht eine schwere Entscheidung an. Entweder die Füße am Pool für die nächsten zwei Stunden ausstrecken oder sich in die Gassen von Carmona aufmachen um ein wenig Sightseeing zu betreiben. Klar dass sich da die Gruppe nicht mehr ganz einig ist. Aber ein kleiner harter Kern macht sich dann doch nach und nach auf.

Ich ziehe zusammen mit Sabine aus Bregenz los und bereue es schon nach den ersten Metern nicht mehr. Diese Hauseingänge sind einfach der Wahnsinn. Jeder ein bißchen von der Straße ins Haus hineingesetzt und reichhaltig mit den unterschiedlichsten Fliesen gestaltet. Auch hier vergehen die zwei Stunden, die wir für die Besichtigung zur Verfügung haben viel zu schnell, bevor wir uns alle wieder im Hotel treffen.

Von Carmona aus geht die Fahrt nun zu Don Miguel Angel Cardenas. Für mich ist Don Miguel der berühmteste Züchter in Spanien. Seit vielen Generationen bestimmt die Familie mit ihren Pferden die Zucht in Andalusien. Wer sich jemals mit spanischen Pferden beschäftigt hat, kommt an seinem Brandzeichen nicht vorbei. Und dann der Riesenerfolg seines Hengstes Fuego XII. Schon beim CHIO Aachen war er der Publikumsliebling vor all den anderen Dressurcracks und 2010 wurde der Hengst dann zum Superstar der Weltreiterspiele von Kentucky. Für mich noch weit vor Totilas, aber das liegt vielleicht auch an meiner Vorliebe für Schimmel. Als wir auf das Gestütsgelände fahren hab ich noch die Bilder im Kopf als Juan Manuel Munoz Dias seinen Zylinder vor Freude über den Wahnsinnsauftritt mit Fuego in der Dressurarena von Aachen in die Luft warf. Seine Dressurkür was mit das schönste was ich jemals in einem Dressurviereck gesehen habe. Und jetzt sind wir kurz davor, den Mann kennen zu lernen, der dieses Pferd gezüchtet hat.

Als ob Gabriele es genau für unsere Ankunft bestellt hätte, sitzt Don Miguel dann auch wirklich am Dressurviereck und beobachtet gerade einen Junghengst während der Ausbildung mit seinem Reiter. Dabei lässt er sich auch von der Gruppe der Fotografen, die da aus den Bussen steigt, nicht aus der Ruhe bringen. Erst als er Gabriele unter uns entdeckt ändert sich sein Gesichtsausdruck. So wie die beiden sich umarmen, muss hier eine sehr alte Freundschaft bestehen. Gabriele hat ihm eine riesige Leinwand mit einem Bild einer Cobra seiner schönsten Stuten mitgebracht. Allein der heftig einsetzte Wind macht das Ausrollen und die Übergabe etwas schwierig. Aber irgendwie kriegen die beiden es dann doch hin. Don Miguel möchte das Training seiner Pferde noch ein bißchen weiter verfolgen, deshalb schickt er uns zuerst mit seinem Gestütsverwalter los in den großen Stutenlaufstall. Eigentlich sollten uns hier Schimmelstuten erwarten, aber der Regen der letzten Tage zusammen mit der rotbraunen Erde innerhalb des Laufstalles hat den Stuten und ihren Fohlen eine neue Fellfarbe verpasst.

    

Wir verteilen uns am Rand und nehmen erst einmal in Ruhe die Atmosphäre auf. Ein paar Portraits später wird die Geschichte mit dem Fotografieren immer schwieriger, weil eine Pferdenase direkt vor dem Objektiv sich einfach nicht so gut ablichten lässt. Die Stuten aber sind über die Abwechslung in ihrem Alltag so erfreut, dass sie immer näher und näher kommen und irgendwie sind es einfach zu viele. Also leg ich die Kamera weg und schmuse erst mal ausgiebig mit einer von ihnen. Irgendwann hat dann jeder aus der Gruppe so seine Kuschelpartnerin gefunden und alles um mich herum krault, genauso wie ich, ein Pferd. Nur Ute und ihr Strohhut bekommen Probleme. Finden doch ein paar vorwitzige Fohlen den Strohhut so interessant, dass sie ihn mal kosten wollen.

  

Es sind immer diese eher stilleren Momente, die mich auf den Reisen mit Gabriele so begeistern. Sich einfach mal in einer Herde treiben zu lassen und zu beobachten. Die Kamera spielt in solchen Momenten eigentlich eine untergeordnete Rolle. Dass sie dann doch nicht zu kurz kommt dafür sorgt dann wieder Gabriele. Während wir kraulen und geniessen hat sie mit dem Gestütspersonal schon die nächste Location klar gemacht. Es geht in einen von hohen weißen Mauern umschlossenen Innenhof. Hier wartet einer der hoffnungsvollen Junghengste auf uns. Insgesamt werden uns hier fünf Hengste präsentiert: Samurai, Tabasco, Romano Imperator, Quiebero und Nabi.

    

Wer von ihnen mal in die Fußstapfen von Fuego treten kann, wage ich nicht zu prophezeien, aber jeder würde sich in einem unserer großen Dressurvierecke mächtig präsentieren können. Beeindruckend dabei ist, dass sich unsere Erwartungshaltung mit jedem Hengst noch steigert. Das Bessere ist halt doch des Guten Feind. Auf einmal steht dann Don Miguel Angel Cardenas im Tor um nach uns zu sehen. Eigentlich müsste er zu einem Geschäftstermin weg aber nicht bevor er sich nicht von Gabriele noch einmal persönlich zu verabschiedet hat und dabei mit Stolz auf die ersten Bilder blicken kann.

Langsam mache ich mir dann doch etwas Sorgen um meine Speicherkarte, denn ein weiteres Highlight steht noch aus. Die große Stutenherde mit Fohlen darf noch auf die Weide. Wir gehen ein gutes Stück voraus um die beste Position zu finden. Momente später liege ich flach auf dem Bauch auf ziemlich spitzen andalusischen Kieselsteinen und hoffe dass Akku und Speicherkarte dieses letzte Abendteuer noch überstehen werden. Und zum zweiten Mal an diesem Tag bedauere ich keinen Ton mit auf meine Speicherkarte bannen zu können. Die Herde kommt und wie. 40 oder 50 Stuten mit Fohlen galoppieren auf uns zu und hinterlassen eine mächtige Staubwolke hinter sich. Wow – einfach nur wow. Mehr fällt mir dazu eigentlich nicht ein. Man muss so etwas einmal selbst erlebt haben, beschreiben kann ich das Gefühl in so einem Moment nicht.

    

Spät, sehr spät machen wir uns an diesem Tag auf den Rückweg zur Hacienda. Auf der Fahrt kehren wir nur mehr ganz kurz ein – auch im Bus hinter mir ist es ziemlich still auf unserem Weg nach Hause. Jede oder Jeder ist mit den Bildern des Tages im Kopf beschäftigt. Langsam fällt dann auch die Anspannung von uns ab, ein paar lassen bei einem Sherry an der Bar den Tag noch sacken bevor sie sich in ihre Betten aufmachen.

 


17.05.2011 – Dienstag

Heute kann meine Kamera erst einmal Pause machen. Auf unserem Programm steht für heute vormittag der Besuch der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jerez an. Die Reitschule wurde 1970 auf eine private Initiative von Don Alvaro Domecq hin gegründet und erhielt erst 1987 durch König Juan Carlos das Prädikat königlich. Das Gelände auf dem sie heute ihre Vorstellungen gibt liegt mitten in der Stadt. Nach einem entspannten Frühstück geht es deshalb erst einmal in die Rushhour von Jerez. Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz für unsere Busse bekommen wir dann auch gleich das Sightseeing kostenlos mitgeliefert. Jerez ist die fünftgrößte Stadt Andalusiens und liegt in der Provinz Càdiz. Sie ist für zwei Dinge in aller Welt berühmt: Pferde und Sherry. 2002 war sie Gastgeberin für die Weltreiterspiele und ich hoffe sehr damals hatten sie für die Besucher mehr Parkplätze zur Verfügung gestellt als heute. Johnny findet dann doch noch einen großen Parkplatz in der Nähe der „Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre“ wie die Reitschule auf spanisch heißt und wird damit zum Held des Tages ernannt.

Leider sind Foto- und Filmaufnahmen während der Vorstellung strikt untersagt. Das Verbot wird durch zahlreiche Ordner auch mit Argusaugen durchgesetzt. Gabriele hatte uns vorgewarnt und niemand von unserer Gruppe wird beim „Schwarzfotografieren“ erwischt. Seit vielen Jahren bin ich Stammgast bei den unterschiedlichsten Pferdeshows, angefangen bei Apassionata. Auch die eine oder andere Galavorführung der Spanischen Hofreitschule in Wien konnte ich schon besuchen. Aber was die Bereiter hier in Jerez zeigen übertrifft meine Erwartungen um ein vielfaches. Es ist die Leichtigkeit wie sie mit ihren Hengsten umgehen, die mich an Anhieb in Bann schlägt. Gleichzeitig merkt man den Bereitern in ihren Galauniformen den Spaß bei der Arbeit mit den Pferden deutlich an. Nichts wirkt gezwungen, da reiten sie mal so aus Jux und Tollerei Zweier- oder Einergaloppwechsel einhändig, dass jeder S-Dressurreiter vor Neid erblassen muss. Und der eine oder andere findet dabei noch Zeit, ins Publikum zu lachen und sich mal anzuschauen wer da heute so sitzt. Bei der Gelegenheit entdecken sie auch Gabriele. Zwei von ihnen zwinkern ihr zu und grüssen sie. Wieviel Sherry sie mit den Beiden schon getrunken hat, will mir Gabriele nicht verraten. Aber bei der Herzlichkeit mit der sie hier überall empfangen wird, gehe ich schon von ein paar Gläsern aus. Selbstverständlich gehören auch die Schulen über der Erde zum Pflichtprogramm der Vorführung. Kapriolen, Kurbetten und Levaden in Harmonie und Vollendung gezeigt. Die Vorstellung endet für mich viel zu schnell, ich hätte den Bereitern gerne noch viel länger zugeschaut.
Bevor wir uns zu den Bussen aufmachen, muss noch ein Abstecher in den Souvenirshop sein. Wenn schon keine eigenen Bilder, dann müssen es zumindest ein paar andere schöne Andenken sein. Jede von uns findet auch schnell ihr Mitbringsel für die Heimat.

Nach dem Mittagessen in der Nähe von Jerez wollen wir uns auf den Weg zum nächsten Gestüt warten. Gabriele hat noch am Morgen mit Don Manuel Lovera telefoniert. Er freut sich auf uns und hat extra für unseren Besuch seine Schimmelstuten alle gewaschen. Sein Gestüt liegt kurz vor Cordoba, wo schon die Olivenplantagen anfangen und sich mit üppigen Weizenfeldern abwechseln. Eigentlich erwarten wir eine problemlose Fahrt von gut 1 ½ Stunden auf der Autobahn dorthin. Aber heute spielt das Schicksal uns einen kleinen Streich. Als wir auf die Autobahn auffahren bemerke ich, dass am vorderen Bus etwas nicht stimmt. Ich kram alle meine Rallyekenntnisse aus der Portugalreise (Marion war wirklich eine sehr heiße und vor allen Dingen schnelle Vorfahrerin damals) zusammen und überhole den blauen Bus mit Johnny und Gabriele. Auf unser wildes Deuten hin und kurz bevor ich sie noch vor lauter Rallyefeeling von der Straße dränge, reagieren sie und bleiben auf dem Pannenstreifen stehen. Und leider trifft der Name hier auch zu. Der Vorderreifen des blauen Busses ist so gut wie platt. Sehr viel langsamer als zuvor fahren wir an der nächsten Ausfahrt ab und suchen eine Tankstelle. Mehr als Luft auffüllen können wir aber auch hier nicht tun. Die Hacienda ist von unserer derzeitigen Position am nächsten, also beschließt Gabriele erst einmal zur Sicherheit aller die Heimreise anzutreten. Etwas lang sind nach dieser Entscheidung die Mienen schon aber es hilft nichts. In einen Bus passen wir halt alle einfach nicht rein und der zweite Bus braucht erst einmal einen neuen Reifen. Als wir ankommen kümmert sich Max zusammen mit Johnny erst einmal um den Reifen, aber in der Zwischenzeit ist soviel Zeit verloren gegangen, dass wir heute nicht mehr zu Loverda können. Aber wer Magda und Kenzie Dysli und eine ganze Hacienda zur Verfügung hat, der braucht sich eigentlich um die Füllung seiner Speicherkarten keine Sorgen machen. Für den Abend organisieren sie zusammen mit Gabriele ein Spontanshooting mit einem Fohlen und noch der einen oder anderen Überraschung für uns.

    

Leo unser tschechischer Cowboy lässt sich das Shooting natürlich auch nicht entgehen. So wie er in seinen Stiefeln vor uns steht, könnte man meinen Marlboro Man ist wieder da.

 

Selbstverständlich wird auch er in das Motiv miteingebaut.

    

Für die Zeit kurz vor dem Sonnenuntergang hat sich dann Gabriele noch einen weiteren Clou einfallen lassen. Weit hinter der großen Reitarena der Hacienda ist ein Sonnenblumenfeld in voller Blüte. Dorthin führt sie uns. Kenzie kommt mit ihrem Schimmelhengst, den wir am ersten Tag schon fotografieren durften mit. Diesmal aber nicht in spanischer Tracht, sondern ganz leger und ohne Sattel. Ein Mädchentraum, soll jetzt vor unserer Linse entstehen: So ganz ohne Sattel auf einem Hengst in den Sonnenuntergang reiten. Ein bißchen kitschig, klar – aber auf der anderen Seite auch einfach nur wunderschön.

    

Dass es dann nicht zu kitschig wird, dafür sorgt mal wieder Leo. Unser Cowboy sorgt zusammen mit seinem Quarter Horse, dass die „harten Typen“ unter uns nicht zu kurz kommen. Nicht umsonst ist Leo schon bei Apassionta mit seiner Lassonummer im Programm gewesen. Wie er so mitten aus dem Sonnenblumenfeld heraus, den einen oder besser gesagt die eine von uns, mit dem Lasso einfängt ist große Kunst und einfach super. Und als echter Showman lebt Leo durch unseren Applaus erst richtig auf und zaubert noch das eine oder andere Kunststückchen hervor. Während wir noch mit Leo rumspielen, tuschelt Gabriele mit Kenzie. So geheimnisvoll wie die beiden tuen, hecken sie sicherlich noch irgendetwas aus. Kenzie reitet kurz darauf auch ziemlich schnell wieder zur Hacienda zurück. Na mal sehen, was den beiden da noch eingefallen ist.

Auf dem Weg zurück in den Innenhof werfe ich einen Blick auf den Zähler meiner Kamera. Heute sind es nicht mehrere tausend Bilder geworden, die meine Kamera festgehalten hat – aber wir haben einen richtig entspannten, wunderschönen Urlaubstag in Spanien geschenkt bekommen. Und dafür sind wir ja auch hergekommen. Auch deshalb ist die Stimmung wohl sehr entspannt und gelöst an diesem Abend. Alle denken, wir gehen jetzt zum Abendessen – da gibt Gabriele die Anweisung die Kameras noch nicht aus der Hand zu legen. Also doch – sie und Kenzie haben noch eine Überraschung für uns.

Aber diesmal soll es nicht über Pferde gehen. Kenzie hat sich umgezogen und trägt nun ein echtes Flamencokleid. Und damit ergibt sich endlich die Gelegenheit an meiner Technik für verwischte Bilder zu arbeiten. Gabriele erklärt ganz genau, welche Einstellungen in der Kamera dafür zu treffen sind. Und nach einigen Fehlversuchen klappt es dann auch mal bei mir. Als sich Kenzie da so für uns dreht kommt richtige Flamencostimmung auf und die Kameras klicken im Tack dazu.

Auch wenn der Tag nicht so gelaufen ist, wie er eigentlich geplant war – phantastisch und faszinierend war er in jedem Fall!

 

 


 

 

18.05.2011 – Mittwoch

Heute morgen muss ich auf meine Melone mit Serranoschinken verzichten. Um keine Zeit zu verlieren, werden wir erst auf der Fahrt frühstücken. Auch kein Problem, schließlich konnten wir ja dafür fast ausschlafen. Unser Fahrt heute führt uns zu Alvaro Domecq und der Finca Los Alburejos. Täglich wird dort in einer großen Open-Air-Arena eine Show gezeigt. Es wird die Arbeit mit den Stieren gezeigt, die für die Stierkampfarena bestimmt sind und selbstverständlich die Doma Vaquera Dressur.
Vom Parkplatz der Busse aus müssen wir ein ziemliches Stück durch die Landschaft wandern bis zur Arena. Hier wachsen meterhohe Kakteen und es ist eigentlich schon eine sehr karge Landschaft. Aber wenn man genau hinschaut, entdeckt man zahlreiche Blüten versteckt zwischen den Steinen.
Der Sprecher der Show ist ein Sprachentalent. Er erklärt jeden einzelnen Programmpunkt auf spanisch, englisch und deutsch. Die Show selbst ist der absolute Hammer. Star sind natürlich die Stiere. So einen Kampfstier mal nur durch eine Bande getrennt live zu sehen ist ein Erlebnis. Man mag über den Stierkampf in Spanien denken was man will – ich will das hier auch gar nicht bewerten – aber der Magie der Kraft und Stärke, die diese Tiere ausstrahlen kann sich wohl niemand entziehen.

    

Erstaunt erfahre ich, dass Kampfstiere in allen Farben für die Arena gezüchtet werden. Bisher war ich der Meinung es gäbe nur schwarze Stiere. Hier werde ich eines besseren belehrt. Es gibt sie in allen „Kuhfarben“ – entscheidend ist nicht die Farbe sondern der Mut und die Aggressivität, die ein Stier zeigt um mit ihm zu züchten. Hier leben die Zuchtstiere völlig frei jeweils in einer Herde zusammen mit ihren Kühen. Die kleinen Herden sind so aggressiv auch den Hirten gegenüber, dass man sie nur treiben kann, wenn man speziell dafür gezogenen Ochsen zur Herde gibt und diese voran treibt. Als eine solche Herde in die Arena stürmt bebt die Erde. Der Sprecher klärt uns auf, dass man die Gegend hier „Open Land“ nennt – offenes Land für die Zucht der Stiere.

Der ganze Stolz Spaniens ist in der Doma Vaquera zu sehen. Schon in der Andalusischen Reitschule haben wir sie bewundert. Aber hier, im Open Land, ist sie wirklich zu Hause. Unter freiem Himmel mit Blick auf die am Horizont verschwindenden Stiere machen die Figuren, Drehungen und Stopps plötzlich einen ganz anderen Eindruck.

Auch wenn es jetzt Show ist, die Arbeit mit der Garrocha hat einen ernsten Hintergrund. Ohne sie wäre es nicht möglich die Stiere zu treiben. Und nur der Reiter, der Pferd und Garrocha perfekt beherrscht, kann sich überhaupt trauen, sich mit diesen mächtigen Stieren einzulassen. Wer in einer Reitshow den Tanz mit der Garrocha bewundert, sollte auch einmal gesehen haben wozu sie wirklich gebraucht wird. Und jeder Reiter hier beherrscht sein Handwerk meisterlich. Wieder begeistert mich die Leichtigkeit mit der hier alles geritten wird. Es scheint als ob mehr als eine Hand kein echter Spanier braucht um sein Pferd zu lenken.

    

Ob Traversalen, Spanischer Schritt oder Galoppwechsel in allen Varianten – alles wird einhändig geritten. Schön das so perfekt und leicht mal außerhalb eines Dressurvierecks zu sehen.

Viel zu schnell endet die Vorstellung. Wer mit Gabriele unterwegs ist, bekommt aber immer noch eine Sondereinlage präsentiert. Extra für unser Gruppenbild stellen sich die Reiter noch einmal zusammen auf.

    

Wir gehen zurück zu den Bussen um in den abgesperrten Bereich des Gestütes von Alvaro Domecq zu fahren. Für uns öffnen sich die Schranken, die ansonsten Besucher aussperren. Wir haben das Privileg noch einige freilaufende Hengste in der Arena der Finca zu fotografieren. Hier in der Privatloge haben schon Staatsgäste die Zucht dieses großen Mannes bewundert und jetzt klicken hier unsere Kameras um die Wette. Der Regen der letzten Tage hat mitten in der Arena eine große Pfütze entstehen lassen – absolut ungewöhnlich und ein Supermotiv. Statt Staub spritzt es wie wild als der Hengst sich zum ersten Mal traut hindurch zu galoppieren.

Ich liebe ja Regenbilder und vermisse die Sonne keine Sekunde hier – Sonne und Staub hätten sich sicherlich auch gut gemacht, aber als sich der Hengst mitten in dem kleinen See wälzt bekommen wir unglaubliche Bilder. Das kannst du so gar nicht planen, so etwas muss dir einfach geschenkt werden.

    

Selbstverständlich bekommen wir auch noch eine exklusive Stallführung. Besonderes Highlight ist die große Sattelkammer. Hier hängen Bilder der Familienmitglieder an der Wand und zeigen welch große Tradition hier gepflegt wird. Das Zaumzeug und die Sättel sind größtenteils seit Generationen in der Familie und werden heute noch eingesetzt. Es wird sehr ruhig unter uns – der Geruch des Leders, die historischen Bilder an der Wand, die uralten Sporren fein säuberlich aufgereiht an einer Seite des Zimmers – alles trägt zu einer sehr emotionalen Stimmung bei. Wer hier nicht berührt rausgeht sollte auch gar nicht das Privileg haben so einen Raum betreten zu dürfen.

Die Zeit ist wie immer viel zu schnell vergangen, es ist schon Nachmittag als wir uns zum zweiten Züchter des Tages aufmachen. Bevor wir in die Busse steigen kündigt uns Gabriele den Besuch bei den schönsten Arabern ganz Spaniens an. Auch diesen Züchter kennt sie seit vielen Jahren: Nicolas Domecq.

Schön in der Auffahrt zum Gestüt können wir feststellen, dass sie uns nicht zuviel versprochen hat. Eine kleine Stutenherde grast mit ihren Fohlen auf der Weide. Wie meistens sind wir natürlich zu spät dran, aber hier müssen wir einfach anhalten und die ersten Bilder machen.

    

Dass wir alle nicht gleich auf die Weide stürmen, dafür sorgt nur der ziemlich ernsthaft aussehende Stacheldrahtzaun. Also bleibt uns dann doch nichts anders übrig als den regulären Weg zu suchen und erst hoch zum Gestüt zu fahren. Hier erwartet uns Nicolas Domecq persönlich zusammen mit seinem Stallmeister. Während der Führung durch seinen Hengststall erfahren wir von ihm persönlich vieles über seine Zucht. Hier stehen unter anderem drei Generationen Hengste nebeneinander. Alle von ihm gezüchtet. Großvater, Vater und Sohn, die jetzt doch im Deckeinsatz sind und schon der Urgroßvater gehörte diesem großen Züchter. Selbstverständlich auch aus eigenen Stuten gezogen. Unglaublich beeindruckend.

Später werden uns diese Hengste einzeln in der Reitbahn des Gestütes vorgeführt. Der jüngste Hengst Jaleador, zwei Jahre alt, darf den Anfang machen, während es Heleno dem vierundzwanzigjährigen Grandseigneur des Gestütes vorbehalten ist, den Abschluss zu bilden. Auch wenn er schon graue Schläfen hat, so ist er mir doch aus den ganzen Reihe der liebste. Er strahlt einen derartigen Charakter aus, dass es mich nicht wundert, warum ausgerechnet er hier zum Stammvater wurde. Gabriele erzählt, dass sie ihn schon fotografiert hat, als er noch so alt war wie Jaleador und er schon damals diese besondere Ausstrahlung hatte.

    

Wie mit allen anderen Züchtern auf unserer Reise verbindet auch Gabriele und Nicolas Domecq eine langjährige Freundschaft. Für ihn ist es deshalb auch selbstverständlich uns in sein Privathaus auf einen Kaffee und einen Sherry einzuladen. Als wir sein Wohnzimmer betreten führt er uns zu einem Tisch auf dem aufgeschlagen Gabrieles neues Araberbuch liegt. Er zeigt auf das Bild seines Hengstes und lacht Gabriele an.

Bei einem Glas Sherry aus der eigenen Produktion erzählt uns die beiden dann noch ein paar Geschichten aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Keiner will wirklich aufbrechen, aber wir müssen langsam die Heimreise antreten. Unsere Nacht wird kurz genug werden. Morgen ist unser letzter Tag und bevor wir uns alle auf unsere Zimmer verteilen erinnert uns Gabriele daran den Wecker rechtzeitig zu stellen. Um halb fünf ist die Abfahrt nach Tarifa geplant. Die Fahrt wird über zwei Stunden dauern und wir wollen mit dem ersten Morgenlicht zu fotografieren beginnen. Deshalb fällt heute die gemütliche Runde vor dem Ranchhaus nach dem Abendessen aus und jeder verzieht sich ziemlich schnell auf sein Zimmer. Gilt es auch noch die Speicherkarten des Tages zu überspielen und alles für morgen vorzubereiten.

 


19.05.2011 – Donnerstag

Als der Wecker um kurz vor vier Uhr früh klingelt, frag ich mich dann doch ob ich noch ganz normal bin. Viel Schlaf hab ich in dieser Nacht nicht abgekriegt und dann das. Draußen ist es noch stockdunkel, den leichten Nieselregen, der in der Nacht eingesetzt hat kann ich mehr fühlen als sehen und irgendwie ist es auch unangenehm kalt. Also keine idealen Startbedingungen für unseren letzten Tag der Reise. Und dabei soll es der absolute Höhepunkt werden: das langersehnte Strandshooting steht heute auf dem Plan. Eigentlich schon für den Beginn der Woche geplant, wurde es wegen des unklaren Wetters auf heute verschoben. Und jetzt sieht es so aus, als ob alles doch umsonst gewesen wäre. Aber einfach mal abwarten – der erste Lichtblick erwartet mich als ich mit meiner Ausrüstung am Ranchhaus vorbei Richtung Busse ziehe. Normalerweise gibt’s um die Zeit nicht einmal Kaffee zu erwarten – die Mannschaft der Hacienda hat aber Mitleid mit uns und hat uns bereits Kaffee und Brötchen gerichtet. Also brauchen wir wenigstens nicht ohne Koffeinunterstützung losziehen. Die Fahrt wird zur Bewährungsprobe für unsere Zuversicht. Auch wenn es während der Fahrt langsam immer heller wird – der Nieselregen scheint uns zu begleiten, von Sonne sowieso keine Spur zu sehen. Als wir nach zwei Stunden Fahrt am Strand von Tarifa ankommen, hat dann zumindest der Regen aufgehört aber immer noch hängen Wolken über dem Horizont. Magda ist zusammen mit den Pferden bereits gestern losgefahren und erwartet uns. Und irgendwie stimmt das Timing dann doch perfekt. Als wir alles zusammen haben, jeder mit seiner Ausrüstung am Meer steht und Kenzie mit dem ersten Hengst zwischen den Dünen auftaucht, kommen die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Wolken durch. Es bleibt keine Zeit sich zu fragen wie Gabriele das wieder hingekriegt hat, zu phantastisch sind die Bilder die wir jetzt bekommen. Irgendwann sehr viel später stehe ich bis zum Bauchnabel im nicht gerade warmen Atlantik und bin einfach nur überglücklich. Und genauso wie mir geht es auch allen anderen. Magda und Kenzie liefern uns Traummotive. Die Bilder dazu sagen um soviel mehr als Worte das könnten, also spar ich mir hier weitere Beschreibungen.

    

Irgendwann geht dann aber auch das tollste Shooting zu Ende. Direkt am Strand ist ein Hotel mit angegliederter Reitschule, hier waren die Pferde über Nacht eingestellt. Der kleine Esel der uns am Strand besuchte gehört auch hierher. Die Besitzerin erzählt, dass er völlig entkräftet und schon mehr tot als lebend bei ihre abgegeben wurde.
Bild
Mit der Flasche und viel Liebe haben sie es dann doch geschafft ihn aufzupäppeln. Wir gehen hoch ins Hotel für ein spätes Mittagessen. Irgendwie beginnt langsam auch ein bißchen Wehmut aufzukommen. Dies war unser offiziell letztes Motiv auf dieser Reise. Aber noch ist nicht die Zeit für große Abschiedsszenen. Die Pferde haben genauso wie wir noch die Heimreise vor sich und stehen schon auf Magdas Laster. Drei Hengste auf so engem Raum zusammen, da ist es besser, sie sind mit der Fahrt beschäftigt – also wird es ein schneller Abschied vom Strand und Tarifa.
Es ist später nachmittag als wir an der Hacienda wieder ankommen. Jeder will zuerst einmal seine Karten sichern und dabei einen ersten Blick auf die Bilder des Tages werfen. Für eine große Pause bleibt aber trotzdem keine Zeit. Unser längster und leider auch letzter Tag geht schneller zu Ende als wir alle es wollen. Die Küche der Hacienda verwöhnt uns noch einmal mit einem tollen Abendessen. Alle sind sich einig was für eine außergewöhnliche Reise wir doch hier erleben durften. Bei mehr als einem Glas Rotwein lassen wir Gabriele dafür hochleben. Die Gruppe wird sich auf alle Fälle morgen auflösen. Der erste Flieger nach Hause geht morgen um acht. Johnny wird den blauen Bus deshalb morgen schon früh zum Flughafen bringen und das Taxi für die ersten Abflügler machen. Trotz der unchristlichen Zeit zu der sie deshalb aufstehen müssen, wird es für alle langer, fröhlicher Abschiedsabend.

Auf Wiedersehn bei den Pferden in Andalusien!
Sabine Pfanzelt

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