Freitag den 16. April - Besuch des Anwesens von Herrn Lima-Meyer in Santana do Campo
Der Freitag begann mit Regen und einem entspannten Frühstück.
Nach und nach trudelten alle im Frühstücksraum ein, und wir bedauerten uns wegen des Wetters. Gabriele gab uns für den Morgen frei mit dem Hinweis, dass man prima im El Corte Ingles einkaufen könne.
Also machten wir uns beizeiten grüppchenweise auf den Weg. Auch Paquita, Bettina und ich zogen Richtung Einkaufszentrum los. Und wenn man sich zu Fuß in Lissabon auf den Weg macht, wird man sich bewußt, warum der Reiseführer sie die Stadt der sieben Hügel nennt. Gleich am Hotel um die Ecke ging es bergauf, an einer breiten (vier- bis sechsspurig) Hauptverkehrsstraße entlang, denn der fünfspurige Kreisverkehr vor unserem Hotel bildet einen der Hauptverkehrsknotenpunkte unter anderem auf dem Weg in die Altstadt. Natürlich hätten wir auch die Metro nehmen können, die Station lag gleich unter dem Kreisel, aber so weit sollte es nicht sein. Das kann man zu Fuß noch schaffen! Dachten wir! Kann man auch, aber es ging halt gut bergauf, da kam´ ich schon mal in´s Schnaufen. Außerdem regnete es gerade nicht, es sah nur dunkel aus.Nach einer Weile erreichten wir auch ein großes Gebäude, es stand zwar nicht El Corte Ingles drauf, aber drinnen gab es viele kleine Geschäfte. Sah schon nicht schlecht aus, aber wir waren sicherlich nicht da, wo wir eigentlich hin wollten. Außerdem waren wir auch noch zu früh dran. Nur eine kleine Kaffee-Bar erfreute sich schon regen Besuchs. Denn in Portugal ist es wohl üblich, morgens zum Kaffeetrinken so eine Bar oder ein Café aufzusuchen, statt zu Hause zu frühstücken. Das wird dann auch gerne zelebriert. So früh fangen die meisten hier nicht an zu arbeiten, schon gar nicht in den Geschäften.
Draußen sahen wir uns etwas ratlos um, weit und breit kein El Corte Ingles Schräg gegenüber in einem Hotel organisierte Paquita einen Stadtplan und fragte nach. Aha! Also neue Richtung einschlagen und los!
Blöderweise hatten wir uns unzureichend gegen Regen ausgestattet als wir loszogen. Es begann wieder mächtig zu schauern. Es ging ein paar Straßen weiter, durch einen Park, und als wir das Einkaufzentrum endlich erreicht hatten, waren wir ziemlich nass.Bettina suchte vergeblich nach ´nem bestimmten Kabel für den Laptop, wir stöberten noch ein bisschen und machten uns dann wieder auf den Weg, schließlich gab es heute noch wichtigeres als einkaufen.
Es regnete auch gar nicht mehr als wir uns auf den Rückweg machten, zumindest die ersten paar Minuten. Als ich dann meine Kamera rausholte, um den Blick auf den Kreisel vor unserem Hotel festzuhalten, denn wir befanden uns immer noch in erhöhter Position, kamen schon wieder die ersten Tropfen vom Himmel. Und irgendwie war ich auch schusselig genug nicht zu bemerken, dass ich auch ein paar davon auf die Linse bekommen habe. Hab´s erst auf dem Laptop gesehen.
Nachdem wir uns dann im Hotel wieder umgezogen und gerüstet hatten, trafen wir die anderen in der Lobby. Brigitt und Lotti hatten sich im El Corte Ingles erfolgreich wieder mit Schirmen und Regenzeug ausgerüstet und waren für weitere Wettereskapaden gerüstet.
Einige nutzten die Gelegenheit, dass man hier eine Internetverbindung herstellen konnte, saßen über ihre Laptops gebeugt und suchten nach neuesten Informationen in Sachen Vulkanausbruch und Flugsituation. Tatsächlich waren erst mal alle Flüge nach Hamburg, Bremen, Hannover und was sonst noch im oberen Teil Deutschlands liegt, gestrichen. Aber auch Sabine und Bettina, die nach München wollten, sahen die Hoffnung schwinden, morgen fliegen zu können.
So wurde noch gegrübelt, neueste Infos ausgetauscht und diskutiert. Dann rief Gabriele zum Aufbruch. Schließlich wollten wir ja auch noch ein paar Pferde vor die Kamera bekommen. Ändern konnten wir im Moment an der Flug- und Vulkansituation eh nicht´s und wir würden abwarten müssen, wie sich die Lage entwickeln würden.
Wir packten also unser „schweres Marschgepäck“, sprich: Kameraausrüstung und Laptops, und stiegen in die Busse. Unser Ziel, das Anwesen von Herrn Lima-Meyer in Santana do Campo, lag wieder im Osten in Richtung Alter de Chao, aber wir brauchten nur gut eine Stunde fahren. Das heißt wir hätten eigentlich nur gut eine Stunde gebraucht, wenn wir die Einfahrt sofort gefunden hätten. So haben wir noch ein wenig die schöne Landschaft genossen und das mittlerweile tatsächlich schöne Wetter.
Herr Lima-Meyer griff uns schließlich im Vorbeifahren auf und fuhr uns voraus. Na, wenn man so versteckt wohnt...
Aber dafür auch um so schöner: Sehr abgelegen auf einem Hügel, umgeben von Tälern und Hügeln, Korkeichen, Pinien, schöner Landschaft eben, und man konnte herrlich weit gucken. Das Anwesen umfasste mehrere weißgeputzte Gebäude inklusive einer kleinen Kapelle. Dazu gab es noch ein neu angelegtes Dressurviereck, ´nen Auslauf mit überdachtem Sitzbereich und viel Weide.
![]() |
![]() |
Herr Lima-Meyer lud uns erst mal ins Haus und zum Essen ein. Ich für meinen Teil war mir nicht sicher, ob der Appetit stärker war oder das Kribbeln in den Fingern zu fotografieren, weil doch grad so herrlich die Sonne schien. Das war nach dem Vormittag nun auch nicht unbedingt zu hoffen gewesen.
Aber wir folgten dem Hausherrn, denn so eine Einladung ist schließlich nicht selbstverständlich. Wir sammelten uns in der Diele, die ausgestattet war mit Teppich, schwerer Truhe und großem Schrank, beides aus dunklem Holz, und in der Ecke auf einem Holzbock lag ein prächtiger Sattel, darüber hing an der Wand die passende Trense. Alles wirkte alt, gediegen und ein bisschen herrschaftlich. Herr Lima-Meyer führte uns weiter durch den kleinen Flur durch ein Wohnzimmer mit offenem Kamin, auch alt, gediegen und ein bisschen herrschaftlich eingerichtet, bis in den nächsten flurähnlichen Raum, der an einer Wand mehrere offene Fenster hatte, denn dahinter lag - die Reithalle!
![]() |
![]() |
Ja, wie cool ist das denn??? Man kommt direkt aus der guten Stube, um zuzusehen, wie die Pferde gearbeitet werden! Wow! Das hat auch nicht jeder!
Kaum fertig gestaunt ging es zurück in die Diele und von dort in´s Esszimmer. Wieder ein offener Kamin, schwere Holzmöbel und ein großer Tisch, der schon für uns gedeckt war. Dann mal rein in die gute Stube!
Das Essen wurde hereingebracht, und wir ließen es uns schmecken. Was es alles genau gab, weiß ich nicht mehr. Da bin ich nicht so emsig wie Katrin, so viele Fotos vom Essen mache ich eigentlich nie und nach aufschreiben war mir auch nicht. Aber ich glaube, die Erdbeeren zum Eis sind allen im Gedächtnis geblieben – himmlisch!!! Und es gab alternativ zu Wein und Wasser ein interessantes Fruchtsaftgetränk, dessen Zusammensetzung wir nicht rausbekommen haben. Es schmeckte eindeutig unter anderem nach frisch gepresstem Orangensaft, mehr konnte ich nicht identifizieren, und es war sehr süß. Aber lecker!
Herr Lima-Meyer saß mit uns am Tisch und Gabriele forderte ihn auf, von sich und seinen Pferden zu erzählen, von der Lusitano-Zucht und wie er an diesen ungewöhnlichen Namen gekommen ist, und er beantwortete all unsere Fragen. Also:
Der Ur-Ur-Urgroßvater (vielleicht war es auch ein „Ur“ mehr oder weniger) von Herr Lima-Meyer war ein Deutscher namens Meyer. Zu Zeiten Napoleons war er für die Proviant- und Warenbeschaffung für dessen Truppen zuständig und deswegen viel unterwegs vor allem in Portugal, wo es ihm sehr gut gefiel. Wahrscheinlich hat er dort so seine Kontakte gehabt oder seine Begeisterung vererbt, jedenfalls reiste auch sein Sohn oft und gerne nach Portugal. Letzterer verliebte sich dort, heiratete eine Dame mit Namen Lima und blieb. So bekam die Familie den Namen Lima-Meyer.
Dann erfuhren wir, dass man in der Lusitano-Zucht drei Zuchtlinien unterscheidet: Den Alter-Real, den wir in Queluz, Alter do Chao und bei Theresa kennengelernt haben, er wird für die hohe Schule ausgebildet und z.B. auch für das Militär genutzt. Dann gibt es die Vega-Linie, begründet von einem Herrn Vega, der die Tiere vor allem für den Stierkampf gezüchtet hat. Allerdings sei es nicht richtig, zu erwarten, dass so eine Zuchtlinie nur stierkampfgeeignete Pferde hervorbringe, denn diese Stierkampftauglichkeit muss ein Pferd auch vom Kopf her mitbringen, meist sind dies Pferde, die mit Stieren aufgewachsen sind. Und dann gibt es noch die Andrade-Linie. Auch hier kommt der Name vom Begründer: Herrn Andrade. Wenn ich das richtig behalten habe, sind die aber nicht in ihrer Bestimmung so festgelegt.
Unser Herr Lima-Meyer ist übrigens Architekt (was auch einiges erklärt, wenn man so durch sein Haus und Anwesen schweift) und hatte vor einigen Jahren so viel Stress, dass er heftige Probleme mit dem Herzen bekam und der Arzt ihm riet, sich einen Ausgleichssport zu suchen. Er entschied sich für das Reiten und kam auf diesem Wege und durch die Leute, die er dadurch kennenlernte, zur Zucht.
Für seine eigene Zucht kaufte er mehrere sehr gute Alter-Real-Stuten und ließ sie von einem ausgewählten Vega- Hengst decken. Von diesen Nachkommen war er absolut begeistert und überzeugt und wählte für die weitere Zucht wieder die besten Dressurvererber, reine Lusitanos, die dann aber nicht mehr einer bestimmten Zuchtlinie angehörten.
Schließlich erfuhren wir noch, dass das Land oder besser der Boden in dieser Gegend eigentlich gar nicht für Pferde geeignet sei, da ihm bestimmte Nährstoffe und Mineralien fehlen, die für Pferde wichtig sind. Wenn entsprechend zugefüttert wird, ist es aber kein Problem.
Es war echt klasse, wie er erzählte, man hörte gerne zu und spürte seine Begeisterung. Die Zeit verflog viel zu schnell.
Kaum zu glauben, aber es war schon 16 Uhr als wir die gemütliche Runde abbrachen, um endlich dem eigentlichen Grund unseres Besuchs zu frönen.
Aber als ich aus der Haustür raussah, blieb ich für einen Moment wie angewurzelt und absolut fassungslos auf der Schwelle stehen. Es konnte einfach nicht sein! Hatte nicht vorhin noch die Sonne geschienen, gestrahlt, als könne es über diesem wunderbaren Fleckchen Erde überhaupt nicht anders möglich sein?!? Aber noch mal reingehen und die Tür noch mal aufmachen, hätte es auch nicht geändert. Nichts! Leider! Denn es regnete, und es regnete nicht nur ein bisschen vor sich hin, nein, man könnte auch sagen es prasselte gnadenlos auf uns herunter. Und es sah auch nicht aus, als wolle es gleich wieder aufhören. Wir befanden uns ja in erhöhter Position, aber der Rundumblick machte keine Hoffnung, alles war dicht verhangen!!!
Mir war wirklich nach Umdrehen, wo wir doch eben noch so gemütlich beisammen gesessen hatten. Aber Gabriele war fest entschlossen: Dann rüstet Euch mal! Also wurde wieder die Regenkleidung angelegt, die Kameras entsprechend gerüstet, und alles machte sich startklar.
Auf dem Hof machte sich währenddessen ein Reiter bereit. Er hatte einen älteren, erfahrenen Schimmelhengst gesattelt und erschien mit ihm in typisch portugiesischem Stil – und mit Garrocha!
So etwas kannte ich bisher nur aus Reitvorführungen, und ich war gespannt, ob er jetzt extra für uns eine solche Nummer auf dem Reitplatz präsentieren würde. Das war ja was! Mir war auch der Regen plötzlich nicht mehr wichtig! – Das heißt, soll doll regnete es auch schon gar nicht mehr! Es ließ tatsächlich nach.
Der Reiter posierte für uns im Innenhof vor dem großen Torbogen. Und wie er da so stand mit seinem Schimmel, auf seine Garrocha gelehnt, geduldig wartend, bis wir alles im Kasten hatten, hatte ich auch schon wieder mein Motiv gefunden. Aber es kam noch besser!
Wir folgten ihm und Herrn Meyer, der in seinem Wagen vorausfuhr, mit den Bussen bis auf die Weide. Man muss sich darunter ein Areal von grob zwischen 10 bis 15 ha vorstellen, hügelig, teils mit Korkeichen bestanden und weiter im mittleren, tiefer gelegenen Teil vor allem Grasland. Dort gab es auch einen großen See und dahinter ging es schon wieder einen Hügel rauf. Alles recht idyllisch, aber ich hatte erst mal nur Augen für unseren Reiter, und versuchte, ihn vor dieser grünen Kulisse (ist doch deutlich authentischer als Halle oder Reitplatz) noch mal richtig in´s Bild zu rücken, während Gabriele mit den anderen auf der Pirsch war, um die Stuten mit ihren Fohlen zu finden.
In dem frisch nass geregneten, hohen Gras ging es den Hügel runter. Die Regenjacken und –hosen raschelten vor sich hin, Regenhüte oder Kaputzen rundeten das etwas merkwürdige Bild, das wir boten, ab. Und das Schuhwerk sollte wieder unter Beweis stellen, wie gut es wasserabweisend oder sogar wasserdicht war. Nur kurz angemerkt: Meine Schuhe waren keines von beidem!
Gabriele war voraus und hatte die Pferde schon gefunden. Wir sollten zurück bleiben und in Stellung gehen, während sie die Herde umrundete.
Da standen sie zwischen den Korkeichen, eine handvoll Stuten, teils Schimmel und teils mit der braunen Färbung klar als Alter Real erkennbar, mit ihrem Nachwuchs. Wir machten ein paar erste Fotos, dann kam der Reiter herüber, hielt für uns noch ein Weilchen inne, und begann dann die Stuten in Bewegung zu setzen. Wie am Schnürchen gezogen liefen sie in angemessener Entfernung an uns vorbei.
![]() |
![]() |
Dann hielten sie sich links und folgten dem Weg, der am See entlang den Hügel rauf führte. Bäume verdeckten sie, aber oben gab es eine kleine Lichtung, wo sie kurze Zeit später wieder zum Vorschein kamen, und gleich hinter ihnen folgte der Reiter. Dann verschwanden sie wieder, und wir bekamen sie wieder zu sehen, als sie schon wieder hinter dem See den Hügel herunter gelaufen waren und auf uns zu kamen. Auf halber Strecke des Sees kamen sie zum Stehen und begannen zu grasen. Wir hatten uns in der Zwischenzeit passend positioniert.
Was für eine Kulisse! So was kennen wir von zu Hause ja gar nicht. Und ich weiß gar nicht mehr, warum ich unbedingt Sonne wollte. Wer braucht schon Sonne um Schimmel zu fotografieren?!? Es hätte auch eher der Atmosphäre geschadet. So hatte es irgendwie zwischen den Bäumen und den Hügeln und an diesem See etwas – hm, vielleicht märchenhaftes? – mir fällt kein Wort ein, dass dem am ehesten gerecht würde, obschon es ganz bestimmt nichts kitschiges hatte. Es ist halt schwer zu beschreiben, und es war auch schwer, genau das auf´s Bild zu bannen.
![]() |
![]() |
Irgendwann hatte es auch gänzlich aufgehört zu regnen, und so hockten wir in dem Gras, fotografierten, beobachteten, wechselten mal die Position (denn eine andere Seite ergibt ja auch ein neues Bild!) und fotografierten. Zwischendurch bewegte sich auch der Reiter mal hier und da hin (ergibt auch wieder ein neues Bild!) und hielt immer schön die Stuten beisammen, damit uns auch keine aus dem Bild laufen konnte! Hach, ich hätte noch lange da hocken können. Es war so schön ruhig. Und in meiner Begeisterung habe ich sooooo viele Fotos davon gemacht!
![]() |
![]() |
Herr Lima-Meyer stand währenddessen immer ein wenig im Hintergrund, sichtlich stolz auf seine Pferde, und schaute uns zu, was wir denn da alles so trieben.
![]() |
![]() |
Nach einer ganzen Weile gab er nach Absprache mit Gabriele dem Reiter ein Zeichen, die Stuten wieder über die hügelige Grasfläche ein Stück am See zurück zu treiben.
Gabriele gab uns Anweisungen für die entsprechende Position, sodass sie uns entgegen kommen sollten, und dann ging es los. Die Stuten wollten nicht so recht und versuchten mal weiter nach rechts, dann weiter nach links abzudriften, damit sie dort entkommen konnten, aber der Reiter kam ihnen immer zuvor und brachte sie wieder in die richtige Richtung. Aus unserer Position sah es ein bisschen aus, wie ein elegant geschwungener Formationsflug.
![]() |
![]() |
Das ging zwei/ drei mal so. Dann wurden die Pferde entlassen. Der Reiter kann auf Portrait- und Detail-Abstand herüber, bis wir auch hier wieder ein paar Motive im Kasten hatten. Dann ritt auch er davon.
Wir machten uns wieder auf den Weg zurück zu den Stallungen.
Dort wurden wir zum neu angelegten Dressurviereck gebeten, denn uns sollte ein vierjähriger Schimmelhengst namens Banqueiro unter dem Sattel vorgestellt werden. Zu unserer Überraschung wurde uns der Hengst von einem Reiter vorgestellt, den wir schon in der Hofreitschule Queluz bei der Morgenarbeit gesehen hatten. Für Herrn Lima-Meyer reitet er also auch und bildet dessen Pferde aus. Lustig war nur ihn hier mit Jacket und Zylinder reiten zu sehen, es wirkte fast ein bisschen befremdlich. Aber Herr Lima-Meyer berichtete, dass er in Banqueiro eine große Dressurhoffnung sehe. Wir sollten ihn uns gut merken, denn er werde sicherlich auf den großen Dressurvierecken zu sehen sein. Aber der Hengst war ja erst vier Jahre alt und trotzdem präsentierte er sich schon beachtlich.
Als Bildvariante forderte Gabriele uns auf, doch mal mit dem Weitwinkel-Objektiv zu fotografieren, und gab dem Reiter Anweisungen, wo er für uns lang reiten sollte. Zum Glück war der Boden des Reitplatzes um gut 20 cm auf geschüttet, sonst hätten wir uns sicherlich bäuchlings auf die Erde legen dürfen. So kauerten wir aber geduckt an der Holzkante und schossen unsere Weitwinkelfotos. Sieht doch auch mal ganz interessant aus.
Auf dem Rückweg zum Hof trafen wir ein paar Hühner mit Hahn, die so im Vorbeigehen auch gleich als Fotomotiv herhalten mussten. Da ist halt keiner vor uns sicher!
Am Tor erwartete uns Pagao, ein 14jähriger brauner Hengst. Er plusterte sich erst mächtig auf und tanzte um den Mann herum, der ihn vorführte. Das wäre eigentlich fotomotivtechnisch echt interessant gewesen, aber ich bin ein bisschen verzweifelt. Für mein Teleobjektiv war er viel zu dicht, zu schnell und zu impulsiv, irgendetwas war immer abgeschnitten, und dunkel war es auch. Etwas Sonne wäre jetzt genial gewesen. Gab´s aber nicht. Dann muss es halt so gehen. Der Hengst posierte dann in dem Tor und im Innenhof machten wir noch Portraits von ihm.
Für weitere Portraits kam dann ein neuer Hengst auf den Plan, Cinquenta e Quatro, ein dreijähriger Schimmel. Aber Portraits waren ja nur sein Plan B, eigentlich wollte er sich ja viel lieber im Freilauf präsentieren.
Wir wechselten zu dem eingezäunten Platz mit dem Freisitz, bezogen Position und der Hengst begann mit den Männern zu „spielen“ und flitzte zwischendurch los. Er gab sich jedenfalls Mühe uns gute Motive zu liefern. Damit wir noch mal seine tolle Trabbewegung einfangen konnten, wurde er auch noch mal an der Hand vorgeführt.
![]() |
![]() |
Dann brachte Herr Lima-Meyer seine Nachwuchshoffnung auf den Platz: Equador, einen einjährigen, braunen Hengst. Gegen die anderen sah er wirklich „kindlich“ aus, aber was für unsere Augen wirklich gewöhnungsbedürftig war: Das Langhaar war komplett abrasiert. Das lenkte uns viel zu sehr von ihm ab, denn er konnte sich wirklich sehen lassen und hatte schon tolle Bewegungen.
Zum Abschluss gab es noch mal ein Shooting am Dressurviereck. Unser Hofreitschul-Reiter (Sorry, spätestens hier hätte ich nach dem Namen fragen sollen, aber Herr Lima-Meyer hat mir auch nur die Namen seiner Pferde aufgeschrieben!) präsentierte uns Bemposto, einen braunen Vierjährigen, in portugiesischer Reitweise. Angeblich sei der Hengst erst seit sechs Wochen unter dem Sattel, wurde uns erklärt, aber das war kaum zu glauben.
Und damit wir noch mehr Freude daran bekamen, diesen schicken Hengst zu fotografieren, brach plötzlich die Sonne durch. Und plötzlich strahlte alles und der Hengst glänzte wie poliert. Die Begeisterung brach auch aus Gabriele heraus, aber es war auch wirklich zu schön. Das konnte jetzt noch ein bisschen dauern!!!
Zum Glück war der Mann auf dem Pferd geduldig, und das Pferd, na ja, auch so einigermaßen. So dauerte es noch ein Weilchen, bis das Klicken der Kameras nachließ. Und zum Erinnern an diesen Besuch gab´s dann noch ein Gruppenfoto vor der Kapelle. Na, wenn das kein Finale war!!!
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Dann verstauten wir die Kameras endgültig und gingen zu den Bussen, um die Füße trocken zu legen. Das wurde endlich Zeit, bevor die Schwimmhäute ansetzen. Meine Schuhe waren wirklich komplett nass, aber man hat ja dafür extra ein zweites Paar dabei und trockene Socken – geht doch!
Wir folgten Herrn Lima-Meyer in´s Haus, nahmen wir wieder an dem großen Tisch Platz, an dem wir vorher gegessen hatten, und packten die Laptops aus. Während wir die Bilder einlasen, kamen die Herren Lima-Meyer dazu und auch die Reiter. Erste Fotos wurden gesichtet und lösten bei den Männern Bewunderung aus. Augenscheinlich ist es für Nicht-Fotografierer, die nur aus der Ferne zuschauen, wenn wir so im Gras und am Boden hocken, schwer vorstellbar, was sich für uns für Bilder ergeben. Jedenfalls ging ihre Begeisterung und das Lob runter wie Öl! Es war halt wieder so ein Effekt wie am Vortag bei Angelique - man freut sich und man zehrt davon.
Irgendwann wurde es dann doch Zeit, wieder einzupacken, und Herr Lima-Meyer empfahl uns ein gutes Restaurant in der Nähe für unser Abendessen oder sollte ich besser Nachtmahl sagen, denn es war schon nach 21 Uhr.
Es gab ein großes Abschiednehmen und ein dickes Dankeschön an unseren herzlichen Gastgeber!
Dann machten wir uns auf den Weg! Den Ort hatten wir schnell gefunden, das Restaurant aber noch lange nicht. Zwar hatte Herr Lima-Meyer uns eine Skizze gemacht, aber die brachte uns nicht wirklich weiter. Abenteuerlich wurde es, als Marion als Fahrerin des ersten Busses uns in immer engere Gassen leitete. Ein/ zwei mal hatten wir echt Bedenken, ob das noch passen würde. Aber auch Frauen schaffen das. Und die erstaunten Passanten ließen wir einfach links liegen. Es war schon eine etwas längere Suche, aber auch das schaffen Frauen! Wir sind angekommen! Und sogar heile! Und Hunger hatten wir dann auch!
Herr Lima-Meyer hat guten Geschmack! Das war ein richtig feines Restaurant. Wir fühlten uns in unseren Foto-Kampf-Outfits nicht so ganz passend gekleidet und Ambiente und Speisekarten ließen keinen Zweifel, dass die Ansprüche hier auch etwas höher sind. Aber nun waren wir einmal da, also ließen wir uns auch nicht beirren. Nicht mal von der rein portugiesischen Speisekarte bei rein portugiesischem Personal. Nix Englisch sprechen! Wörterbuch zücken! Und es war echt interessant anschließend zu sehen, war wir nach unseren Bestellungen dann auf den Tellern bekamen! Ich hatte zum Beispiel eine Tomatensuppe bestellt. Es war das erste Mal, dass ich dann eine klare Suppe bekam mit Tomatenstücken und anderem Gemüse u.ä. darin. Dazu wurden Schweinemedaillions und sehr würzige, weiche, mettähnliche Würstchen gereicht und Brot. Aha! Das erklärte auf jeden Fall auch den Preis!
So ließen wir es uns schmecken und traten kurz vor Mitternacht den Heimweg an. Gegen ein paar Stunden Schlaf war absolut nichts einzuwenden!!
























