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Termin: 19.-21. Juli '13
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Reiseberichte


Mittwoch den 14. April - Besuch des Staatsgestüts von Alter de Chao

Der Tag begann sehr früh, für 6 Uhr war die Abfahrt angesetzt. Also raus aus den Betten, rein in die Busse. Die Erwartung wischte die Müdigkeit schnell beiseite, wir waren auf dem Weg zum Staatsgestüt nach Alter de Chao. Es dämmerte längst, aber es sah verdammt trüb aus. Wir verließen Lissabon über die lange Brücke, um genau zu sein: 17 km lang. Man fährt und fährt und ist immer noch auf der Brücke. Komisch, dass sowas hält!

Bis zum Gestüt hatten wir gute 2 1/2 Stunden Fahrt vor uns, aber Schlafen war nicht. Man hatte Zeit sich zu unterhalten und nutzte sie. Zwischendurch ein Blick auf die Landschaft: Fast alles ist Weide, teils mit Rinder- oder Schafherden, große Flächen sind mit Korkeichen, Olivenbäumen oder Pinien bepflanzt. Ackerflächen findet man kaum in dieser Gegend.

Als wir uns unserem Ziel näherten, wurde die Landschaft hügeliger. An einem kleinen Flüsschen hatte sich eine ganze Kolonie Störche niedergelassen. Auf Strommasten, in Bäumen und teils auf Gebäuden thronten ihre Nester. Dann endlich durchfuhren wir das Tor des Gestüts, und gleich ging der Fuß auf die Bremse. Direkt links auf der Weide entlang der Zufahrt graste eine kleine Herde Sorraias.

Gabriele meinte, dass es ein Glück sei, dass wir sie hier gleich so dicht vor der Nase hätten. Mitunter müsse man ganz schön suchen, um sie in dem Areal zu finden, sie seien auch einigermaßen scheu. Also verhielten wir uns so ruhig wie möglich und schlichen uns mit unseren Kameras ran.

Sorraias mit Fohlen Sorraia beim Grasen
Sorraias zählen zu den Urpferden, wie z.B. auch die Tarpan und die Przewalski-Pferde. Ruy d’Andrade hatte sie 1920 auf einem Jagdausflug am Fluss Sorraia entdeckt, nach dem sie später benannt wurden. Er begann ein Erhaltungszuchtprogramm mit einem Bestand von 3 Hengsten und 7 Stuten. Mittlerweile gibt es mehrere Herden, aber der Bestand gilt nach wie vor als gefährtet. (soviel als Info)

Weiter ging´s, wir waren ja erst fast am Ziel.

Ein einsamer ReiterVor dem Hauptgebäude wurden die Busse geparkt und Gabriele kümmerte sich um die weitere Vorgehensweise. Wir schauten schon mal um die ein oder andere Ecke.
Erster Tagesprogrammpunkt: Die Stutenweide! Und hier nun eine Anmerkung: Ich war auf Mallorca und wollte eine rote Wiese (Mohn) so wie auf Gabrieles Bild - und hab sie nicht gefunden; ich war in Kladruby und wollte eine rote Wiese - und hab sie nicht gefunden; und Katrin hab ich noch im Ohr wie sie sagte: " Wart´s ab! In Portugal kriegst du eine lila Wiese!" - Und ?!?
Was war? In der Zeitung stand es auch: Der kälteste März seit den 80ern, die Natur hängt fast vier Wochen zurück! Also nix mit lila Wiese. Zwar waren da einzelne Blümchen, die sich dann doch schon mal trauten, aber das war´s!



Nicht dass die Landschaft nicht reizvoll gewesen wäre, und wie ich noch aus Kladruby weiß: "Nach Regen leuchtet das Grün viel schöner!" Man muss es dann halt so nehmen, wie man es bekommt, und der erste Blick durch die Bäume auf die Stuten löste mit Sicherheit Begeisterung aus.
Stutenherde von weitem Zwei süße Fohlen
So suchten wir uns durch feuchtes Gras und über sumpfigen Untergrund einen Weg näher ran. Wir hatten Glück, denn von oben kam kein Wasser! Hätte auch anders laufen können.

Wir krauchten also über die Weide um die Stuten herum und dichter ran. Die Fohlen tummelten sich, und ganz besonders das Neugeborene der vergangenen Nacht war als Motiv oder einfach nur zum Anhimmeln beliebt.
Neugierige Stute Stute mit ihrem Fohlen

Dann wurde es allmählich Zeit für den Aufbruch, denn die Stuten sollten in den Stall. Wir liefen also zurück zum Gestüt und bezogen Stellung in der letzten Kurve, bevor die Stuten zwischen die Stallungen einbogen.
Es dauerte ein Weilchen, aber dann endlich kündigten sie sich durch das Bimmeln ihrer Glocken an.

Sie tragen die Glocken übrigens nur, damit man die Herde auf dem Gelände leichter findet. Es tragen auch nicht alle Stuten eine.

Auf dem Weg zum Stall Die Herde im Stall

Die Mittagszeit verbringen die Stuten für einige Stunden im Stall, um der Hitze zu entgehen und damit sie zugefüttert und kontrolliert werden können.
Jede Stute hat ihren Platz und wird angebunden. Das dauerte ein bißchen, und die Stuten mussten warten bis sie dran waren.

StutenAls sich alles wieder beruhigt hatte, durften wir noch näher ran und ein paar Fotos machen.
Aber Mittag bedeutet nicht nur Futter für die Stuten, wir machten auch Mittagspause in der Kantine. dort herrschte rege Betriebsamkeit, denn neben den Angestellten gab es auch zahlreiche Schüler auf dem Gestüt.
Der Blick nach draußen bestätigte uns, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren: warm und trocken! Draußen begann es ganz heftig zu regnen. Glücklicherweise kurz und heftig! Denn als wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg machten, hatte es tatsächlich schon wieder aufgehört!

Jetzt stand ein Besuch der gestütseigenen Falknerei an. Dort gab es Adler, Bussarde, Eulen und Falken verschiedenster Arten bishin zur kleinsten weltweit. Ein paar Tiere wurden uns vorgeführt und erklärt, wir hatten Gelegenheit sie zu fotografieren, aber das eigentliche Highlight kam erst noch: Die Herren fuhren mit einigen Tieren ein Stückchen außerhalb auf ein geeignetes Gelände, wo sie sie fliegen ließen. Uns wurde das Kunststück überlassen, die Vögel mit der Kamera zu erhaschen, was an sich schon eine ziemliche Herausforderung war, aber dann sollten sie auch noch scharf sein! Puh!

Alle fleißig am Fotografieren Falke im Anflug

Immerhin werden Falken im Sturzflug über 300 km/h schnell.

Wieder zurück im Gestüt ging´s in die Stallungen, vorbei an einem Baum, der schon 217 Jahre alt sein sollte, älter als das Gebäude, das man drumherum gebaut hat.

Gestütshof
Die Stallgasse im Hengststall war beeindruckend, ein schönes Gewölbe.

Stallgasse
Und während wir an den Boxen entlanggingen, bekamen wir unter anderem das Namensschema erklärt: Der Anfangsbuchstabe des Namens richtet sich nach dem Geburtsjahr. 2005 steht für "A", 2006 für "B" usw., das ist in ganz Portugal so üblich. Man erkennt also immer, in welchem Jahr der Hengst geboren wurde am Namen.

Die zweite Silbe des Namens beginnt mit dem Anfangsbuchstaben des Vaters (das scheint allerdings zwar in Alter, aber nicht im gesamten Zuchtgebiet so gehandhabt zu werden).
Ich habe mir leider nur ein einfaches Bespiel gemerkt, auch weil ich den Namen merkwürdig fand für einen Hengst, aber da war wohl nicht mehr so viel Kreativität:
Bibi!

Hengst mit ReiterBibi ist also 2006 geboren und der Name seines Vaters beginnt auch mit "B". Gleichzeitig hat man einen Hinweis, wann der Vater geboren sein muss, nämlich gut 24/25 Jahre früher (es werden nicht alle Buchstaben des Alphabets verwendet). Soviel dazu!

Es gab dann ein kleines Shooting mit einem Hengst unter dem Reiter in der Halle, bevor wir zu den Junghengsten auf die Weide fuhren.

Wir stapften einen Weg entlang, der uns zunächst an einer kleinen Gruppe Esel vorbeiführte.

Eselsstute mit Fohlen Grasender Esel

Dann ging es durch ein Tor auf die Weide, und wir brauchten nicht einmal lange zu suchen. Ein bißchen oberhalb zwischen den Bäumen lugten ein paar zauselige Mähnen hervor.
Unser Begleiter fragte, ob er die Hengste herkommen lassen solle? Er schaute in verständnislose Gesichter: Die sind doch dahinten? Kommen die einfach so? Er fragte noch mal, ob die Pferde denn näher kommen sollten? Ist das denn einfach so möglich???

Klar!!! Und er pfiff laut und noch mal und noch mal, und dann kam Bewegung in die Hengste. Und schließlich galoppierten sie uns entgegen.

Und das, liebe Katrin, nicht die Fohlen auf der Wiese zwischen nicht vorhandenen lila Blümchen, DAS! war der Moment, wo ich an dich denken musste! Erinnerst du dich: Da Dam! Na na nanaaa...

Das war der Moment, den ich automatisch mit der Melodie verband, als diese jungen Pferde da durch das Gras den Hügel herunterkamen. Hhmmm....

Hengste kommen angaloppiert Ein prachtvoller Hengst

Da geht einem doch das Herz auf!
So scheu waren die Jungs auch gar nicht. Schwupps, standen sie einem schon fast auf den Füßen, und man musste sich seinen "Fotoabstand" erst wieder erkämpfen.
Wir blieben eine Weile, beobachteten sie, knuddelten sie, und machten viele Fotos.

Junghengste am Kämpfen Neugieriger Hengst

Und dann vertrieb uns ein heftiger Regenguss!

Verregnete AussichtAls Abschluss gab es noch einen Besuch in dem Museum, das zu dem Gestüt gehört. Dort gab es natürlich viel Pferdegeschichtliches, aber auch speziel zur Geschichte der Lusitanos und zur Geschichte des Gestüts.
Gleich neben dem Museum gab es einen Shop, in dem man sich Souveniers oder T-Shirts o.ä. mit dem Emblem des Gestüts kaufen konnte, aber auch Porzelan mit Alter Real- Pferden drauf und vieles mehr. Es stand zu vermuten, dass die halbe Stunde, die wir dort verbracht haben, zu einer erheblichen Steigerung der Wochen-, wenn nicht gar Monatseinnahmen geführt hat.

Dann hieß es endgültig: Abfahrt! Es lagen ja noch einige Kilometer vor uns.

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