Dienstag den 13. April - Besuch der Hofreitschule in Queluz und anschließend Besuch bei Casa Cadaval inklusive Weinprobe
Am Dienstag morgen konnten wir erstmal in aller Seelenruhe frühstücken, nach und nach trudelten alle im Frühstücksaal ein. Das Buffet war reichhaltig mit vielen leckeren Dingen, die wir von zuhause gewohnt sind und einigen landestypischen Leckereien.
Natürlich kann man darüber streiten, ob Kuchen zum Frühstück sinnvoll ist oder Schokoladenmousse, aber es rundet irgendwie die Sache ganz herrlich ab, wenn man sich nach ein, zwei oder möglicherweise mehr Brötchen (wer´s schafft!?!) auf einen erlebnisreichen Tag vorbereitet. Den Quittengeele gab es in Scheiben vom Stück, was sehr verwunderlich aussah, aber prima schmeckte. Das Rührei dagegen war für unsere Gaumen eindeutig zu portugisisch: Noch leicht glibberig mit Klümpchen - ist wohl eher geschmacksache. Jedenfalls fanden wir uns dann prima gestärkt kurz vor neun in der Lobby ein.
Wir brachen auf zur Hofreitschule in Queluz.
Queluz (man spreche: Kelusch) ist ein Stadtteil von Lissabon. Es gibt ein großes, herrschaftliches Schloss, das nicht mehr so ganz im Glanz seiner besten Zeiten steht, mit einem wunderschönen Park dahinter. Wenn man seitlich von hinten heranfährt, landet man vor den Toren der Reitschule bzw. den dazugehörigen Stallungen. Es sah ziemlich verschlossen aus, aber als Gabriele an die Tür klopfte, gewährte man uns Einlass.
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Wir waren früh dran. In den Stallungen wurde noch gearbeitet, Boxen eingestreut und Pferde geputzt. Bis zur Morgenarbeit sollten wir uns noch ein wenig gedulden.
Gabriele schlug vor, dass wir noch ein weing durch den Park streifen könnten, der vom Schloss aus bis an die Stallungen reicht, quasi einen fließenden Übergang bildet. Darin findet man viele mit Hecken gesäumte Wege, dazwischen große Springbrunnen und jede Menge Figuren. Habe ich erwähnt, dass die Sonne schien? Sie strahlte auf uns herab und es war wunderschön in diesem Park.
Eine ruhige Oase eigentlich mitten in der Stadt und richtig schön grün (zuhause will die Natur ja noch nicht so in Gang kommen). Wir entdeckten sogar Orangen- und Zitronenbäume mit Früchten.
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So "arbeiteten" wir uns mit unseren Kameras bis fast zum Schloss vor, wurden dort aber ausgebremst von einer Dame, die uns darauf hinwies, dass wir am Schloss keine Fotos machen dürften. Was sie genau sagte, konnten wir nicht verstehen, sie sprach nur portugisisch. Aber die Körper- und Zeichensprache war auch für uns verständlich.
Wir machten uns also auf den Weg zurück, lustwandelten noch ein wenig und schossen ein paar Fotos weiter oben im Park. Als wir die Stallungen erreichten, waren auch die ersten Reiter so weit, und Gabriele dirigierte uns und die Reiter an die erste Location und in Position. Denn es gab gleich ein Highlight und eine etwas kniffelige Aufgabe zugleich: Vom Hauptweg aus sollte das jeweilige Pferd vor dem großen Brunnen fotografiert werden, Position von leicht unterhalb mit einem "Fenster" von vielleicht 6 - 7 m zwischen den beiden Hecken. D.h. aufpassen, dass man nichts ungewollt durch die Hecken abschneidet und noch die richtige Bewegungphase treffen.
Ja, dann mal los! Zuerst brachte ein Reiter einen Hengst an der Hand, der die Courbette zeigte, dann ritt der Leiter der Reitschule, Francois Gracioso, einen Hengst vor und gab uns auch noch Gelegenheit für Portraits und Details. Zaumzeug und Sattel waren eindrucksvoll beschlagen und uns fiel zum ersten Mal das kleine Fell hinter dem Sattel auf.
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Dann gingen wir rüber zum Reitplatz, bezogen die besten Plätze und durften für gute 1 1/2 Stunden der Morgenarbeit zusehen. Darunter hat man sich zwar die übliche morgendliche Arbeit der Reiter mit den verschiedenen Hengsten vorzustellen, die so oder so ähnlich fast jeden Morgen dort so zelebriert wird, aber an diesem Ort zu sein war schon etwas besonderes.
Und mal ganz abgesehen davon: Die Hengste waren sehr beeindruckend, jeder eine andere Persönlichkeit, teilweise noch junge, überwiegend aber ältere, schon weit ausgebildete, die durch ihr Können Eindruck schindeten.
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Die Reiter kamen alle in "Uniform" und mit Hut daher. Sie zeigten die Hengste unter dem Sattel, an der Hand oder zwischen den Pillaren. Und man brauchte nicht mal zu genau hinschauen, um zu bemerken, dass jeder zu seinem Hengst auch eine Bindung hatte.
So saßen wir dort an diesem Platz und fotografierten Reiter und Hengste in jeder Bewegung. Manchmal mußte man aber auch einfach nur zuschauen, um es richtig fassen und genießen zu können. Es war eigentlich noch zu früh, als Gabriele zum Aufbruch rief.
So gingen wir zurück zu den Stallungen, besuchten noch den Waschplatz und bekamen noch aus erster Hand ein paar Infos: z.B. dass in Queluz nur Lusitano-Hengste der Zuchtlinie Alter real ausgebildet werden, Alter-real-Pferde sind immer braun und können Abzeichen haben; dass die Männer quasi als "Hobby", soll heißen unentgeldlich, die Hengste trainieren und nach dem Training zur Arbeit fahren, um ihr täglich Brot zu verdienen, und dass das kleine Fell, dass sich immer hinter jedem Sattel befand, seinen Ursprung darin hat, dass die Herrschaften früher mit Mantel ritten und dieser vor dem Schweiß des Pferdes verschont bleiben sollte.
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Es war längst Mittag und es wurde Zeit, dass wir aufbrachen. Wir wurden in Muge zum Essen erwartet. Also packten wir unsere Sachen, d.h. wir sammelten unsere Laptops ein, die wir dabei hatten, die aber ursprünglich in den Bussen geblieben waren. Jemand aus der Reitschule hatte Gabriele darauf hingewiesen, dass es besser sei, sie mit in´s Gebäude zu nehmen, woraufhin sie alle reingeschleppt hatte, während wir durch den Park gestromert waren.Zumindest alle bis auf ihren und den von Claudia Z. ...
Als wir nun zu den Bussen kamen, gab es erstmal einen großen Schrecken: An einem der beiden Fahrzeuge war eine Scheibe komplett eingeschlagen, und zwar an dem, in dem noch die beiden Laptops gelegen hatten. Sie waren weg! Ebenso Lottis und Brigitts Taschen mit Handys und Regenzeug, was sich später auch noch als äußerst misslich herausstellte.
Nachdem genau geprüft war, was alles fehlte, fuhren Gabriele und Claudia Z. mit jemandem von der Reitschule zur Polizei. Wir saßen in der Sonne und warteten. Als sie im Streifenwagen zurückgebracht worden waren, die Polizisten auch noch mal alles inspiziert hatten, fuhren wir zum Flughafen, um bei der Autovermietung den Bus zu tauschen. Dann endlich konnten wir Richtung Muge aufbrechen, und es war schon fast 16 Uhr als wir in Muge eintrafen bei Theresa. Der Himmel hatte sich ganz mächtig zugezogen und ein Gewitter brach los.
In Muge angekommen fanden wir auch schnell Casa Cadaval, wo Theresa uns herzlich empfing. Sie war umgeben von einem bunt gemischten Trupp Hunde, ich meine mich zu erinnern, dass es fünf waren, inklusive ihrer Neuerwerbung, einem richtig putzigen Rauhhaardackel namens Barbosch (so wurde es zumindest ausgesprochen und bedeutet "Bart"), den sie uns stolz präsentierte.
Wie gesagt, es hatte sich mächtig zugezogen und begann auch kurz darauf zu gewittern, so dass wir alle dankbar in´s Haus folgten wo uns noch das verspätete Mittagessen erwartete. Allerdings ist Haus nicht wirklich korrekt, denn es ist sehr groß und herrschaftlich, altehrwürdig, halt passend zu einem solchen Gut und zu einer Marquesa da Cadaval bzw. Gräfin zu Schönborn. Es war wunderbar alt eingerichtet mit imposanten Möbeln, offenem Kamin, großen Gemälden und schweren Vorhängen. Zwei Tische waren für uns gedeckt und zwei Damen brachten das Essen aus der Küche: Reis mit Gulasch und Salat - Hhhmm!!! Und als Nachtisch gab´s Mangocreme - HhhhmmHhhhmm!!! Sowas von lecker!
Draußen sahen wir es regnen und blitzen, und wir saßen hier schön trocken! Soweit prima! Allerdings war abzusehen, dass aus dem Shooting mit den geplanten Motiven nichts werden würde. Schade! Noch mal Schade! Aber dann gab es da noch eine Alternative: Was bietet sich denn automatisch an, wenn man sich auf einem Gestüt und Weingut befindet, und die Möglichkeiten auf dem Gestüt gegen Null gehen? Richtig, man begibt sich zum Weingut und macht eine Weinprobe!
Wir machten uns also auf den Weg, jedoch nicht ohne wenigsten kurz bei den Stuten auf der Weide vorbeizuschauen. Der Weg dorthin war wohl eher für Geländewagen geeignet als für normale Wagen. Und schon ertönte der erste Warnruf von Sabine, die am Steuer saß: "Achtung, Schlagloch!" Es folgten noch mehrere, und sie versuchte tapfer eine gute Route durch Matsch und Modder zu finden.
Auf der Weide kam uns eine gemischte Herde aus braunen Rindern und braunen Pferden entgegen. Theresa züchtet nur Alter real - Pferde, und ihre Zucht ist eine der besten.
Nicht alle trauten sich bei dem Wetter aus den Bussen! Tja, und Brigitt und Lotti hatten ja echt Pech gehabt, dass nun ihr ganzes Regenzeug weg war! Aber als echter Malloca-Seminar-Teilnehmer kann einen das ja nicht wirklich abhalten, Regenzeug sollte man schließlich immer dabei haben und trockene Ersatzschuhe sowieso. Außerdem sind pitzschnasse Fohlen echt süüüüß!
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Die beiden Bereiter, die uns begleitet hatten, wirkten irgendwie merkwürdig so im Regen, brachten aber echt Farbe in´s Bild.
Das war schon sehr schade: Sie hatten extra für uns diese Tracht angezogen, um uns die Pferde vorzureiten. Und nun fiel das nicht nur buchstäblich in´s Wasser, sondern der Regen machte mit der roten Weste auf den weißen Hemden unschöne Dinge, nämlich färbte ab. Schade!
Dann ging es rüber zum Weingut. Wir wurden vom leitenden Mitarbeiter begrüßt, bitte fragt mich nicht nach dem Namen, ich weiß nur noch, dass der Mann Agrar-Ingenieur und Franzose war. (Ich hab´s nicht so mit Namen, aber ich würde ihn wiedererkennen!) Er führte uns durch die Hallen, erklärte uns den Betrieb und gewährte uns Einblick in die Kunst der Weinherstellung.
Zusammen gingen wir rüber in´s Hauptgebäude, wo es einen schönen Laden mit großem Angebot an Wein, Öl, Marmelade und anderen Dingen gab. Weinprobe war angesagt. Anschließend wurde noch ein bißchen eingekauft für daheim - wenn man schon mal so feine Tropfen direkt vom Hersteller bekommen kann!
Bevor wir den Heimweg antraten, fuhren wir noch mal zum Gut, und die beiden Bereiter ließen für uns drei Hengste und eine junge Stute nacheinander in der Halle frei laufen. Die Gelegenheit bot sich, zur Abwechselung mal Mitziehbilder zu üben, oder einfach nur zuzuschauen, was für wunderbare Tiere uns da präsentiert wurden.
Und dann wurde es draußen schon dunkel und wir machten uns auf den Heimweg. Es war schon gegen 22 Uhr als wir im Hotel eintrafen. Jetzt aber fix in die Falle, vorher noch schnell die Bilder einlesen und die Akkus werden in´s Ladegerät! Morgen geht´s früh los!
Gute Nacht!
















