Rettung in letzter Minute!

Suche nach vermissten Pferden im Outback Australiens

Reisebericht von 1991 (damals noch auf analogem Diafilm fotografiert)

Das Leben im australischen Outback verlangt Menschen mit einem starken Willen und außergewöhnlicher Kraft – wie Richard Makim, der mit seiner Frau, seinen fünf Kindern, 20.000 Rindern und 80 Araber-Pferden im nördlichen Gulf- Country lebt.
Richards Mutter hat mit der Zucht angefangen und die Araber auf Shows gezeigt. Er nahm die Pferde mit in die australische Wildnis und hat aus den verwöhnten Stalltieren widerstandsfähige Gebrauchspferde gemacht, die bei der Arbeit mit den Rindern den meisten Western-Pferden überlegen sind. Nebenbei gewinnt er mit ihnen die schwersten Distanz-Rennen Australiens, denn die Pferde erhalten das härteste Training bei der Arbeit. Pferde suche ich bei meiner Ankunft allerdings vergeblich: Auch Richard weiß nicht, wo sie sind, er habe sie seit Monaten nicht gesehen. Er ist sich aber sicher, dass sie trotz der starken Überschwemmungen in den letzten Wochen überlebt haben: „Es sind ja schließlich Araber“.

In den nächsten Tagen sind wir mit dem Jeep unterwegs und versuchen, die Herde zu finden. Als wir zweimal im Schlamm und einmal im Fluss stecken bleiben, aus dem uns nur noch die Seilwinde herausholen kann, geben wir den Versuch zu Land auf: Jetzt kann uns nur noch der Helikopter helfen. Bereits zwei Stunden nach unserem Hilferuf ist Richards Freund zur Stelle. Wir quetschen uns mit zwei Sätteln und ein wenig Futter in die kleine Glaskanzel und suchen systematisch die Grenzen der 80 Quadratkilometer großen Farm ab. Lange Zeit entdecken wir gar nichts, keine Pferde, aber auch keine Kadaver. Plötzlich taucht ein Fohlen auf, das vom Helikopter aufgeschreckt wurde und zu seiner Mutter zurück galoppiert. Da steht auch ein Teil der Herde, fast nicht auszumachen im Schatten des Gestrüpps. Richard würde es nie zugeben, doch er ist erleichtert, seine Pferde zu sehen.

Nach vorsichtiger Landung klettern wir aus dem Helikopter und stehen allein in der Weite des Outbacks, mit den beiden Sätteln und dem Futtereimer in der Hand. Eine alte Schimmelstute kommt auf Richard zu und reibt ihren Kopf an seinem Hemd, ihr vier Monate altes Fohlen hält sich sehr zurück: Entsetzt starrt es uns an, denn es hat noch nie in seinem Leben einen Menschen gesehen. Nach und nach kommen an die 30 Pferde heran, zuerst die Stuten, die fast alle ein gesundes Fohlen bei Fuß führen. Doch wo ist der Hengst? Dem Wiehern der Stuten, die um uns herum stehen, antwortet ein Tier aus der Ferne. Richard erkennt die Stimme seines Hengstes, macht sich auf die Suche nach ihm. Er findet ihn abseits stehen, allein und unbeweglich. Erst, als eine kleine Fuchsstute auf ihn zugeht und ihn mit den Nüstern berührt, folgt er ihr ein paar Schritte, bleibt aber immer in Kontakt mit ihrem Körper. Es ist erschreckend, ihn anzusehen, ich spüre, wie Richard versteinert.

Es muss für ihn sehr schmerzlich sein, seinen Superhengst in diesem Zustand wiederzufinden. Das Pferd ist bis auf Haut und Knochen abgemagert, sein struppiges Fell mit Rissen und Wunden übersäht. Die Augen sind mit Eiter verschlossen und von schwarzen Fliegen überzogen: Der Hengst ist blind – wenigstens momentan. Für mich ist es ein Wunder, dass die Pferde das Hochwasser überlebt haben, besonders die Fohlen. Sie müssen wochenlang im Wasser gestanden haben. Richard bleibt nur übrig, den Hengst zu satteln und zu reiten – die einzige Chance, ihn heil nach Hause zu bringen. Es ist berührend, zu erleben, wie das blinde Pferd seinem Reiter gehorcht und vorwärts geht in einem Vertrauen, als könnte es durch die Augen seines Reiters sehen. Wir treiben den Rest der Herde zusammen und machen uns auf den Heimweg. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch keine Ahnung, wie lang der ist. Die Herde verfällt sofort in einen Galopp, wird immer schneller.

Wir durchqueren in vollem Tempo einen rasch fließenden Creek. Meine Stute springt – ohne zu überlegen – hinein, geht unter, das Wasser hebt mich aus dem Sattel. Die Stute stößt sich vom Grund ab, kommt wieder nach oben, schießt aus dem Wasser. Ich bekomme gerade noch das Sattelhorn zu fassen, halte mich krampfhaft fest, noch ein Satz und wir sind drüben. Nicht gerade die feine Art – an die Technik australischer Outback-Pferde muss ich mich erst gewöhnen. Eine Stute bleibt wie angewurzelt stehen, dreht sich um und sucht ihr Fohlen. Das kämpft sich tapfer durch das Wasser, hat schon die Hälfte geschafft, wird aber mit zwei anderen Fohlen von der starken Strömung abgetrieben. Zwei Stuten eilen zu Hilfe, fangen ihre Körper ab und eskortieren sie auf die andere Seite. Die Herde hat gelernt, gemeinsam zu überleben. Mühsam versuche ich, eine Gruppe von Junghengsten bei der Haupttruppe zu halten, denn Richard hat genug damit zu tun, mit seinem Hengst an der Spitze zu bleiben und die Herde zu lenken. Doch dann tricksen mich die Burschen aus und nehmen auf der Flucht ein Drittel der Herde mit, die wir morgen wiederfinden müssen. Die Sonne steht schon sehr tief, als wir den großen Zaun erreichen, der den Innenbereich der Farm abgrenzt.

Bis zum Farmhaus selbst müssen wir allerdings noch mehr als eine Stunde reiten. Schließlich ist die Koppel erreicht und die Pferde flüchten in die Sicherheit des Holz-Corrals. Noch nie war mir das grässliche Geräusch eines laufenden Strom-Generators so willkommen wie an diesem Abend. Ich kann meinen Körper fast nicht aus dem Sattel heben. So hart hatte ich mir meinen Einstieg im Gulf-Country nicht vorgestellt. Der Hengst wird sofort im Schein der Taschenlampen behandelt. Fast eine Stunde säubert Richard die Augen mit einem Desinfektionsmittel, seine Frau behandelt die Wunden und die Kinder reiben ihm die Flanken trocken. Er ist klatschnass und entkräftet. Aber diese Fürsorge genießt er sichtlich, legt dabei seinen Kopf auf Richards Schulter und schnaubt voll Erleichterung. Ich sacke an einem Zaunpfosten zusammen und schlafe ein. Das fällt in der Dunkelheit gar nicht auf. Erst als ich die feuchte Schnauze eines Jagdhundes in meinem Gesicht spüre, komme ich wieder zu mir. Richard hilft mir auf die Beine und schleppt mich in Haus. Auf dem massiven Küchentisch, der für 20 Leute ausgelegt ist, steht ein herrliches Abendessen. Der Speck ist von der eigenen Farm und die Eier natürlich vom Emu –wir sind ja schließlich in Australien.

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Aktuelle Pferdekalender 2018

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Entstehung des Verlags „Edition Boiselle“

Wie alles begann…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden… Das mit der Jahreszahl ist dagegen ganz einfach: Im Jahre 1985 habe ich den ersten Kalender in der Edition Boiselle gedruckt. Grafik, Herstellung, Bewerbung, Versand, Rechnungsstellung etc. alles wurde in Eigenregie gemacht und ich werde nie vergessen,

wie ich an den Weihnachtsfeiertagen in meiner Küche stand, Kalender verpackt habe und mich mit Weihnachtsplätzchen und ein Glas Sekt motivierte auch die letzten Stück noch fertig zu machen. Nach dem ersten Kalender hatte ich einige Erfahrungen gesammelt, die ersten von vielen noch folgenden Fehlern gemacht und mir geschworen, nie mehr Kalender herzustellen. Das ging auch zwei Jahre lang gut, doch in der Zwischenzeit wurde ich wiederum durch diesen Kalender so bekannt, dass Aufträge aus Amerika mich zur professionellen Pferdefotografin machten und die Nachfrage nach den „Boiselle-Kalendern“ zunahm. Bei meiner Suche nach dem richtigen Partner habe ich den Groh-Verlag gefunden, der in Kooperation mit mir die Kalender europaweit vertrieben hat.

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2018-02-02T11:58:01+00:00

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