Rociero

Der Flamencotänzer  in Speyer

Wer mit Pferden zu tun hat, der kennt vielleicht auch das Gefühl, manchmal wie vom Schicksal vorbestimmt, zu einem bestimmten Zeitpunkt einem besonderen Pferd zu begegnen. So erging es mir mit andalusischen Hengst Rociero – er ist mir mehr oder weniger bei einer Spanienreise in die Tasche gesprungen.

Alles fing damit an, dass ich meine Freundin Karin Leuthardt im schönen Süden Spaniens besucht habe. Zufällig war an diesem Nachmittag keines ihrer Pferde für mich verfügbar, so dass ich schon dachte, auf meinen geliebten Strandausritt verzichten zu müssen. Doch eine ihrer Mitarbeiterinnen hatte einen Grauschimmelhengst im Stall stehen, den sie mir gerne zur Verfügung stellen wollte.

Das Kerlchen sah hübsch aus und schaute mich mit seinen großen, dunklen Augen aufmerksam an. Na ja, er imponierte mir auch ein wenig, da er sich etwas hengstig gebärdete und sich wie ein echter spanischer Macho aufführte. Aber irgendwie hatte er eine besondere, charmante Ausstrahlung und ich freute mich auf den Ausritt mit ihm. Dabei zeigte er sich von seiner besten Seite: Geschmeidig, bequem und willig jeder Bewegung und Hilfe von mir zu folgen. Im Galopp legte er richtig temperamentvoll los, war aber auch leicht wieder einzufangen. Voller Kraft und Stolz piaffierte auf der Stelle. Auch das Wasser schien ihm nichts auszumachen – kurzum wir hatten viel Spaß zusammen.

Glücklich kamen wir nach zwei Stunden wieder in den Stall zurück. Ich bedankte mich ganz herzlich bei der Besitzerin und versprach ihr, als Dankeschön in den nächsten Tagen einige tolle Fotoaufnahmen von ihrem Pferd zu machen.

Ganz und gar unvorbereitet war ich, als ich ihr schon am nächsten Morgen weinend an Karins Küchentisch sitzend wieder begegnete. Ihr Mann wollte Rociero an diesem Tag verkaufen! Da musste ich schon etwas schlucken, denn ich wusste wie sehr sie ihren Vierbeiner liebte. Aufgrund drängender finanzieller Probleme sollte der Hengst schnellstmöglich verkauft werden. Sie war wirklich verzweifelt, doch als sie mich fragte, ob ich Rociero nicht übernehmen könnte, war ich sprachlos – ich hatte doch schon 10 Pferde Zuhause.

Sie redete so inständig auf mich ein, dass ich einfach nicht nein sagen konnte. Darüber hinaus verlangte sie eigentlich sehr wenig für ihr großartiges Pferd.

Und so kam Rociero in meinen Besitz ohne dass ich eigentlich wusste, was ich mit ihm machen wollte. Und so blieb er erst einmal in Andalusien und Karin kümmerte sich um ihn. Bald stellte sich heraus, dass er sehr hengstig war und dies mit den vielen anderen Hengsten in diesem Stall zum Problem wurde. So holte ich Rociero zu mir nach Speyer, musste aber auch dort feststellen, dass es schwer war, ihn in meinem kleinen Stall mit den vielen Stuten zu halten. Daher war ich gezwungen, ihn kastrieren zu lassen. Aber als Wallach hatte er ein viel glücklicheres Leben, da er nun sein Leben mit anderen Pferden teilen durfte.

Ich kann nur dem lieben Gott dafür danken, dass er mir die Aufgabe gestellt hat, so einem wundervollen Pferd eine neue Heimat zu geben. Jedes Mal, wenn wir morgens durch den Wald galoppieren, bin ich einfach nur glücklich mit meinem spanischen Flamencotänzer, der über die Sandwege in Speyer hinwegfliegt.

Er verstand sich wunderbar mit meiner Stute Lilly, die er immer noch heiß und innig liebt. Rociero ist einfach ein Schatz, der es liebt, mit Menschen zu arbeiten und der immer gefallen möchte. Für ein Leckerli ist er gerne bereit, einen neuen Trick oder eine neue Aufgaben zu lernen und er verliert niemals seine positive Haltung. Jeder liebt ihn auf den ersten Blick und er ist offen und neugierig für Alles. Doch er ist er kein Langweiler, denn man spürt immer wieder das temperamentvolle Araberblut in ihm, das 30% seiner Abstammung ausmacht.

Manchmal wird er zum Fotomodell in meinen Seminaren und genießt es, dabei im Mittelpunkt zu stehen. Seine ehemalige Besitzerin ruft mich ab und zu noch an, um sich nach ihrem Liebling zu erkundigen und ich kann nur dem lieben Gott dafür danken, dass er mir die Aufgabe gestellt hat, so einem wundervollen Pferd eine neue Heimat zu geben. Jedes Mal, wenn wir morgens durch den Wald galoppieren, bin ich einfach nur glücklich mit meinem spanischen Flamencotänzer, der über die Sandwege in Speyer hinwegfliegt.

Lilly

By | Juni 16th, 2017|Categories: Gabriele Boiselle|

Lilly Ein schwerer Start ins Leben "Lilly" wurde etwas zu früh geboren. Sie lag wie ein Hund mit angezogenen Beinen im Stall, als ich morgens zum Füttern kam und regte

Sommerwind

By | Juni 16th, 2017|Categories: Gabriele Boiselle|

Sommerwind Die 4.Generation meiner kleinen Warmblutzucht Der kleine Hengst „Sommerwind“ ist nun die vierte Generation meiner eigenen kleinen Warmblutzucht. Er geht auf die Trakehnerstute „Feenwind“ zurück, die ich vor vielen

Rociero

By | Juni 16th, 2017|Categories: Gabriele Boiselle|

Rociero Der Flamencotänzer  in Speyer Wer mit Pferden zu tun hat, der kennt vielleicht auch das Gefühl, manchmal wie vom Schicksal vorbestimmt, zu einem bestimmten Zeitpunkt einem besonderen Pferd zu begegnen.

Meine Lieblingsbilder

Mehr über den Verlag erfahren?

Entstehung des Verlags „Edition Boiselle“

Wie alles begann…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden… Das mit der Jahreszahl ist dagegen ganz einfach: Im Jahre 1985 habe ich den ersten Kalender in der Edition Boiselle gedruckt. Grafik, Herstellung, Bewerbung, Versand, Rechnungsstellung etc. alles wurde in Eigenregie gemacht und ich werde nie vergessen,

wie ich an den Weihnachtsfeiertagen in meiner Küche stand, Kalender verpackt habe und mich mit Weihnachtsplätzchen und ein Glas Sekt motivierte auch die letzten Stück noch fertig zu machen. Nach dem ersten Kalender hatte ich einige Erfahrungen gesammelt, die ersten von vielen noch folgenden Fehlern gemacht und mir geschworen, nie mehr Kalender herzustellen. Das ging auch zwei Jahre lang gut, doch in der Zwischenzeit wurde ich wiederum durch diesen Kalender so bekannt, dass Aufträge aus Amerika mich zur professionellen Pferdefotografin machten und die Nachfrage nach den „Boiselle-Kalendern“ zunahm. Bei meiner Suche nach dem richtigen Partner habe ich den Groh-Verlag gefunden, der in Kooperation mit mir die Kalender europaweit vertrieben hat.

Weiterlesen
2017-06-20T18:12:03+00:00

Leave A Comment