Calvin

Mein Seelenpferd

 

Meine Finger flechten sich in seine dicke Mähne, Tränen tropfen auf seine Nüstern, das prächtige große schwarze Pferd lässt seinen Kopf matt auf meiner Schulter liegen, die Augenlider halbgeschlossen. Sein warmer Atem kitzelt mein Ohr, als er ausatmet und ein tiefes Stöhnen in seiner Brust zu hören ist.

„Calvin, mein geliebter Friese, bleibe bei mir – geh nicht weg! – Wir haben noch ein gemeinsames Leben vor uns. Mit 6 Jahren bist du viel zu jung und die Zeit war zu kurz, die wir bisher gemeinsam verbrachten.“ Ich schaue auf die Schläuche, an denen er hängt, auf die Kanülen, die in seinen Adern stecken, auf den großen Verband um seinen Bauch. Dazu hat er sich in der Aufwachbox noch eine blutende Prellung über dem Auge geholt. Er sieht schlimm aus, eingefallen und so leidend. Doch ich fühle, dass er bei mir ist und das ich ihn halten möchte. Unser Atem fließt im Gleichklang. Hinter meinen geschlossenen Augen zeige ich ihm Bilder,

wie wir gemeinsam über eine Wiese galoppieren, wie wir gemeinsam mit seinem Halbbruder Armani im Zweiergespann stolz in einem Dressurviereck glänzen, wie wir spielen und lachen. „Das ist unsere Zukunft, bleibe bei mir mein Seelenpferd.“

Als ich da so frierend nachts in seiner Box stehe, mischt sich Hoffnung mit Panik. Es war die zweite Operation, für die man ihm nur eine dreißig prozentige Überlebenschancen eingeräumt hatte und dennoch hat er sie gut überstanden. Die erste Kolikoperation war halbwegs gut verlaufen, als sich sein Bauchraum neu infizierte und erneut behandelt werden musste. Doch seine ungemeine Lebensenergie und die fürsorgliche und intensive Behandlung der verantwortlichen Ärztin Dr. Colette Elmas in der Pferdeklinik Burg Müggenhausen sowie die Liebe, die ihm von allen Seiten entgegen gebracht wurde, ich glaube, die haben ihm geholfen. Er ist ein ungewöhnliches Pferd, das war mir schon damals klar, als ich ihn bei seiner Mutter stehen sah.

Friese Calvin

Er war knapp 3 Monate alt und schaute mich keck an. Irgendwie hat er auf mich gewartet, das bilde ich mir zumindest ein. In jedem Fall sagte mein Herz: „Ja das ist dein Freund, dein Pferd“. Er war nie wirklich ein Lausbub, dafür aber sein Halbbruder Armani, der fast am gleichen Tag geboren wurde. Calvin hatte eher eine noble, überlegene Attitude, aber dennoch zurückhaltend.

Eigentlich wollte ich immer nur ihn, doch ich brachte es nicht fertig, die Beiden zu trennen. Besonders weil Armani auch ein Sohn von dem Preferent Hengst „Anton 343“ ist, der seit unserer ersten Begegnung mein Herz erobert hat und zu meinem absoluten Lieblings-Fotomodell wurde. Also nahm ich Beide und träumte von einem Zweispänner, wobei ich selbst noch keine Ahnung vom Fahren hatte. Doch bis dahin sollte noch viel Zeit vergehen. Die beiden wuchsen zunächst bei Doris und Bill Kennedy auf und wurden dort liebevoll umsorgt. Die beiden hochprämierten Friesenstuten lebten sozusagen im Garten der Kennedys, und die enge Beziehung zum Menschen wurde ganz natürlich auf die Pferdekinder übertragen. Sie kommen auf den Menschen zu, versuchen ihn zu lesen und zu verstehen. Aber zunächst kamen Calvin und Armani zum Aufwachsen in eine Herde und hatten viel Zeit zum Raufen, Spielen und Toben,

so wie richtige Jungs das tun, ohne menschlichen Einfluss. Mit drei Jahren habe ich sie dann wieder abgeholt und zu meinem Freund Günther Fröhlich, dem „Friesenpapst“ gebracht. Er war der Einzige, dem ich die beiden Sensibelchen anvertrauen mochte. Und er ging bei der Ausbildung auch ganz behutsam vor. Bei ihm haben sie Manieren gelernt, bekamen den Sattel aufgelegt und wurden gleichzeitig eingefahren. Aber sie hatten auch die Möglichkeit miteinander zu wachsen und lernten voneinander. Nebenbei versuchte Günther mir die Kunst des Fahrens näher zu bringen. Leider ist sein Stall und somit meine beiden Schwarzen, über 300 km weit weg von mir, sehr weit, um sie des Öfteren zu besuchen. Darüber hat sich Calvin in jener Nacht, in dem Stall der Klinik, sehr darüber beschwert. „Warum soll ich bleiben, wenn Du mich doch wieder alleine lässt? – Wir haben einen Pakt, erinnerst Du Dich?“. Ja, ich erinnerte mich an seinen ersten Blick an mein Versprechen für ihn da zu sein. Er nimmt seinen Kopf von meiner Schulter und reibt seine Nase an meinem Gesicht, dabei wischt er mir die Tränen ab und schnaubt mich an. Zärtlich streiche ich seine Mähne aus der Stirn und flüstere ihm ins Ohr, dass ich ihn so bald wie möglich nach Hause holen werde, er muss nur gesund werden. Er gab mir sein Wort und ich werde auch das Meinige halten.

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Entstehung des Verlags „Edition Boiselle“

Wie alles begann…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden…

Wo fängt die Geschichte einer Firma an, mit einer Jahreszahl oder mit einem Gefühl? Das Gefühl für die Pferde scheint mein Großvater schon in meine Gene gepflanzt zu haben und dass sie immer ein Teil meines Lebens sein würden, war ebenfalls klar. Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie zu meiner Berufung und damit zu meinem Beruf werden würden… Das mit der Jahreszahl ist dagegen ganz einfach: Im Jahre 1985 habe ich den ersten Kalender in der Edition Boiselle gedruckt. Grafik, Herstellung, Bewerbung, Versand, Rechnungsstellung etc. alles wurde in Eigenregie gemacht und ich werde nie vergessen,

wie ich an den Weihnachtsfeiertagen in meiner Küche stand, Kalender verpackt habe und mich mit Weihnachtsplätzchen und ein Glas Sekt motivierte auch die letzten Stück noch fertig zu machen. Nach dem ersten Kalender hatte ich einige Erfahrungen gesammelt, die ersten von vielen noch folgenden Fehlern gemacht und mir geschworen, nie mehr Kalender herzustellen. Das ging auch zwei Jahre lang gut, doch in der Zwischenzeit wurde ich wiederum durch diesen Kalender so bekannt, dass Aufträge aus Amerika mich zur professionellen Pferdefotografin machten und die Nachfrage nach den „Boiselle-Kalendern“ zunahm. Bei meiner Suche nach dem richtigen Partner habe ich den Groh-Verlag gefunden, der in Kooperation mit mir die Kalender europaweit vertrieben hat.

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2017-07-19T12:20:37+00:00

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